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Blasphemie-Vorwurf : Junge Christin auf Kaution freigelassen

  • Aktualisiert am

Pakistanische Christen demonstrieren für die Freilassung von Rimsha Bild: dpa

Die wegen Gotteslästerung angeklagte junge pakistanische Christin Rimsha ist gegen eine Kaution freigelassen worden. Das bestätigte ein Gefängnissprecher. Ein islamischer Geistlicher soll gefälschte Beweise vorgelegt haben.

          Die der Gotteslästerung angeklagte junge pakistanische Christin Rimsha ist gegen eine Kaution von einer Million Rupien (8500 Euro) freigelassen worden. Das bestätigte ein Sprecher des Hochsicherheitsgefängnisses Adiala in der Garnisonsstadt Rawalpindi. Rimsha wurde in einem gepanzerten Fahrzeug zu einem Hubschrauber gebracht und mit unbekanntem Ziel ausgeflogen. Es war befürchtet worden, radikale Muslime könnten das Mädchen angreifen.

          Der möglicherweise geistig behinderten Rimsha wird Blasphemie vorgeworfen, weil sie ein Buch mit Koranversen verbrannt haben soll, allerdings gehen Ermittler auch dem Verdacht der Vorlage gefälschter Beweise durch einen islamischen Geistlichen nach.

          Rimsha war vor rund drei Wochen festgenommen worden und saß seither im Gefängnis. Am vergangenen Samstag hatte die pakistanische Polizei den islamischen Geistlichen fest, der das Verfahren ins Rollen brachte. Der Imam Hafiz Mohammed Khalid Chishti wird verdächtigt, gefälschte Beweisstücke vorgelegt zu haben. Mitarbeiter des Geistlichen sagten den Ermittlern, dass dieser selbst den von Rimsha verbrannten Papieren Seiten aus dem Koran hinzugefügt habe.

          Sein Ziel soll gewesen sein, einen Konflikt zu schüren, um die christliche Minderheit aus der Gegend zu vertreiben. Der Geistliche weist das zurück. Ein Gericht hatte am Freitag Rimshas Freilassung angeordnet, ohne sich zur Schuld des Mädchens oder des Imams zu äußern.

          Das Alter der Christin aus einem ärmlichen Vorort Islamabads ist ebenso umstritten wie ihr geistiger Zustand. Die Staatsanwaltschaft widerspricht einem Gutachten, dem zufolge das Mädchen 14 Jahre alt sein und einen niedrigen Intelligenzquotienten haben soll.

          Rimshas Verteidigung will, dass der Fall vor einem Jugendgericht verhandelt wird, wo eine mögliche Strafe milder ausfallen würde. Nach ihrer Festnahme am 16. August waren Christen aus Angst vor Racheakten aus dem Slum geflohen. Pakistans Blasphemie-Gesetz verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis nur bei angeblicher Herabsetzung des Islams angewandt. Bei Schändung des Korans droht lebenslange Haft, bei Verunglimpfung des Propheten Mohammed die Todesstrafe. Zwar wurde bisher kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht. In seiner jetzigen Form wurde das Gesetz 1986 vom Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq eingeführt. Islamisten laufen Sturm gegen eine Änderung des Gesetzes, das sie für gottgemacht halten. 2011 waren der Minister für Minderheiten - der einzige Christ in der Regierung - und der Gouverneur der Provinz Punjab ermordet worden. Beide hatten das Gesetz kritisiert, das oft missbraucht wird, um persönliche Gegner anzuschwärzen

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