https://www.faz.net/-gpf-rz7r

Bin-Ladin-Botschaft : Weißes Haus: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“

  • Aktualisiert am

Meldete sich angeblich wieder zu Wort: Usama bin Ladin Bild: dpa/dpaweb

Der Al-Qaida-Führer soll in einer Audio-Botschaft den Vereinigten Staaten weitere Anschläge angedroht und zugleich einen „Waffenstillstand“ unter Bedingungen angeboten haben. Die CIA hält das Band für „höchstwahrscheinlich echt“.

          2 Min.

          Al-Qaida-Führer Bin Ladin hat den Vereinigten Staaten mit Anschlägen auf ihrem Staatsgebiet gedroht. In einer Audio-Botschaft, die der Nachrichtensender Al Dschazira am Donnerstag ausstrahlte, bot eine Stimme, die sich als Bin Ladin ausgab, gleichzeitig dem amerikanischen Volk einen „langfristigen Waffenstillstand“ auf der Grundlage „gerechter Bedingungen“ mit dem Ziel an, den Irak wiederaufzubauen.

          Dazu müßten sich aber amerikanische Soldaten aus dem Irak und aus Afghanistan zurückziehen. Diesen Abzug wünsche sich auch eine große Mehrheit unter den Amerikanern, sagte die Stimme. Sollten die Soldaten nicht zurückkehren, gehe der Dschihad weiter. Der Krieg Al Qaidas gegen Amerika und dessen Verbündete werde sich dann nicht auf den Irak und Afghanistan beschränken. „Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, werdet ihr sie in euren Häusern sehen“, drohte die Stimme.

          Keine Verhandlungen mit Terroristen

          Nicht die verschärften Sicherheitsvorkehrungen seien der Grund dafür, daß es seit dem 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten keine Angriffe mehr gegeben habe. Erst hätten Attentate vorbereitet werden müssen.

          Zawahiri im Visier der Amerikaner

          Ein Sprecher des amerikanischen Präsidialamtes wies das Waffenstillstandsangebot zurück: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen, wir legen ihnen das Handwerk.“ Klar sei, daß die Al-Qaida-Führung und andere Terroristen auf der Flucht seien und unter großem Druck stünden, ergänzte der Sprecher.

          Al-Qaida-Führer authentisch?

          Die Nachricht hatte eine auffallend schlechte Tonqualität. Nach ersten Untersuchungen hält der amerikanische Geheimdienst CIA die Aufnahme aber angeblich für „höchstwahrscheinlich“ echt. Dies habe eine technische Analyse ergeben, teilte eine CIA-Sprecherin in Washington mit. Wie mehrere amerikanische Fernsehsender unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichteten, soll die Botschaft Bin Ladins im Dezember aufgezeichnet worden sein.

          Zuletzt hatte sich Bin Ladin am 27. Dezember 2004 zu Wort gemeldet. Damals hatte er Abu Mussab al Zarqawi zum Führer der irakischen Gruppe des Al-Qaida-Terrornetzes ernannt. Ende vergangenen Jahres hatte Al Dschazira ein Videoband ausgestrahlt, auf dem Bin Ladens Stellvertreter Ajman al Zawahiri verkündete, daß Bin Ladin weiter am Leben sei und weiter den „Heiligen Krieg“ gegen die westliche Welt führe. Dieses Video stellte sich aber als eine Wiederholung einer alten Aufnahme heraus.

          Angeblich doch Al-Qaida-Mitglieder bei Luftangriff getötet

          Am Donnerstag morgen war bekannt geworden, daß bei dem amerikanischen Luftangriff auf ein pakistanisches Dorf nahe der afghanischen Grenze am vergangenen Freitag pakistanischen Geheimdienstkreisen zufolge mindestens drei hochrangige Vertreter Al Qaidas getötet worden seien. Unter den Toten seien ein Chemiewaffen-Experte sowie ein Schwiegersohn von Bin-Ladin-Stellvertreter Ajman al Zawahiri, dem der Angriff angeblich gegolten haben soll, hieß es.

          Zawahiri sei zum Zeitpunkt des Luftschlags nicht im Dorf Damadola nahe der Grenze zu Afghanistan gewesen. Pakistans Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed bestätigte den Tod von „ein paar Extremisten“ durch den Angriff, bei dem 18 Menschen getötet wurden. Die Leichen der Extremisten seien aber noch nicht gefunden worden. Ihre Identität werde noch geprüft.

          „Bedeutende“ Liquidation?

          Aus Geheimdienstkreisen verlautete unterdessen, drei Namen der Getöteten seien bereits bekannt: Darunter Zawahiris Schwiegersohn namens Abdul Rehman Al-Misri al Maghribi und Midhat Mursi al-Sajid 'Umar, einer der Bombenkonstrukteure des Terrornetzes. Auf ihn war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

          Dem amerikanischen FBI zufolge leitete 'Umar' ein Ausbildungslager in Derunta in Afghanistan. Seit 1999 habe er Extremisten mit Handbüchern mit Bauanleitungen für chemische und biologische Waffen versorgt. Der Sender ABC News und die „New York Times“ berichteten unter Berufung auf pakistanische Behördenvertreter ebenfalls, der 52jährige Ägypter sei getötet worden.

          Amerikanische Anti-Terror-Behörden bestätigten die Berichte nicht. „Wenn diese Person nicht mehr da ist, ist das bedeutend“, sagte ein Vertreter der Behörden, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der dritte Mann, der den pakistanischen Kreisen zufolge identifiziert wurde, war Abu Obaidah al Misri, der in der ostafghanischen Provinz Kunar an der Spitze von Al Qaida stand.

          Weitere Themen

          Ägyptischer Spion im Presseamt Video-Seite öffnen

          Regierung bestätigt : Ägyptischer Spion im Presseamt

          Ein im Bundespresseamt enttarnter ägyptischer Spion hat nach Angaben der Bundesregierung keinen umfangreichen Zugriff auf Daten gehabt. Weitere Angaben zu dem Fall wollte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen.

          Unglaublich

          Fraktur : Unglaublich

          Markus Söder hat gesagt, sein Platz sei in Bayern. Kommt er da nochmal raus?

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Altmaier : „Ich bin nicht der Oberlehrer der Welt“

          Muss Deutschland einen Bogen um Länder wie China machen, die Freiheitsrechte verletzen? Nein, sagt Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Im F.A.Z.-Interview kündigt er für Deutschland weitere Staatsbeteiligungen an – und ein mögliches Ende der Maskenpflicht.
          Schichtwechsel beim Mercedes-Benz Werk Untertürkheim.

          Wirtschaftskrise : Daimler will noch viel mehr Stellen streichen

          Der Autohersteller Daimler will wegen der Corona-Krise mehr Stellen streichen als bisher bekannt. Mit 15.000 Arbeitsplätzen komme man nicht aus, stellt der Personalvorstand klar. Auch der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gerät ins Wanken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.