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Bill Clintons Vermittlung : Amerika feiert Heimkehr der Journalistinnen

  • Aktualisiert am

Euna Lee nach ihrer Heimkehr mit Mann und Tochter Bild: AFP

Anlässlich eines Besuchs von Bill Clinton hat Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il die beiden Journalistinnen Ling und Lee begnadigt. Präsident Obama spricht von einem „Quell der Freude“; Republikaner kritisieren die Reise als Legitimation für den „Schurkenstaat“.

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          Nach vier Monaten Haft in Nordkorea sind zwei amerikanische Journalistinnen unter großem Jubel nach Kalifornien zurückgekehrt. Die Maschine landete am Mittwoch auf dem Flughafen Burbank bei Los Angeles. Mit an Bord war der frühere Präsident Bill Clinton, der die Freilassung der beiden Frauen mit seinem Besuch in Pjöngjang erwirkt hatte.

          Sie seien so erleichtert, dass der Albtraum vorbei sei, sagten die Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling nach ihrer Landung. In den vergangenen Tagen hätten sie immer wieder damit gerechnet, ins Arbeitslager geschickt zu werden, sagte Frau Ling. Dann aber hätten sie ihren Augen nicht getraut, als sie am Dienstag in einen Raum mit Clinton gebracht worden seien.

          Republikaner kritisieren Clintons Rettungsaktion

          Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte in Washington, die Regierung sei „außerordentlich erleichtert“. Die Rückkehr der Reporterinnen sei „ein Quell der Freude nicht nur für die Familien, sondern auch für das ganze Land“. Obama dankte Clinton für dessen Einsatz. Clintons Reise war in Washington offiziell als „rein private Mission“ bezeichnet worden, erfolgte aber mit Wissen und Unterstützung der Regierung. Clinton traf am Dienstag auch den nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong-il. Die wachsenden Spannungen mit Nordkorea aufgrund der dortigen Raketen- und Bombentests erwähnte Obama in seiner Stellungnahme nicht.

          Obama dankte Clinton für dessen Einsatz

          Amerikanische Konservative kritisierten Clintons Rettungsaktion. Der ehemalige amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen John Bolton warf Clinton vor, mit seiner Reise das Regime aufgewertet zu haben. Er habe Nordkorea für „übles Verhalten“ belohnt, sagte der Konservative dem Sender Fox News. Das würde bei anderen „Schurkenstaaten“ nicht ohne Auswirkung bleiben. Kim habe dank des Besuchs eine „lebenslange Legitimation“ für seinen Führungsanspruch in Nordkorea bekommen. Clintons Reise sei nicht weit entfernt von der Bereitschaft, „mit Terroristen zu verhandeln“.

          Die beiden Journalistinnen Ling und Lee waren im März an der Grenze zu China festgenommen worden, als sie für einen Bericht über nordkoreanische Flüchtlinge recherchierten. Sie wurden im Juni zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt, unter anderem wegen illegaler Einreise. Ling und Lee arbeiteten für Current TV, ein Fernsehangebot, das vom ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore mitgegründet wurde.

          Clinton war der ranghöchste amerikanische Besucher in dem kommunistischen Land seit dem Besuch von Außenministerin Albright im Jahr 2000. Neben der Freilassung der Journalistinnen gehörte es wohl zu seinem Ziel, die nordkoreanische Regierung wieder zur Rückkehr zu Verhandlungen über ihr Atomprogramm zu bewegen. Weder die amerikanische noch die nordkoreanische Regierung hatten aber ein offizielles Programm des Besuches bekanntgegeben.

          Obama signalisierte Gesprächsbereitschaft

          Nordkorea und die Vereinigten Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Seit den Raketenstarts und dem Atomtest der vergangenen Monate ist das Verhältnis Nordkoreas zu den Vereinigten Staaten und zu seinen Nachbarländern sehr gespannt. Die Vereinten Nationen hatten nach dem zweiten Atomtest Nordkoreas verschärfte Sanktionen gegen das isolierte kommunistische Land verhängt. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton hatte kürzlich den Zorn Nordkoreas auf sich gezogen, als sie das Verhalten der Führung dort mit dem eines ungezogenen Kindes verglich.

          Präsident Obama signalisierte mit Clintons Entsendung Gesprächsbereitschaft gegenüber Nordkorea. In jüngster Zeit hatte sich Obama sehr kritisch über Pjöngjang geäußert. Bill Clinton wiederum ist in Nordkorea, das in letzter Zeit seine anti-amerikanische Propaganda intensiviert hatte, wohlgelitten, weil er am Ende seiner Amtszeit eine Normalisierung der Beziehungen angestrebt hatte. Als Ehemann der derzeitigen Außenministerin steht er der Obama-Regierung zudem nahe genug, um in Pjöngjang als offizieller Emissär der amerikanischen Regierung wahrgenommen zu werden.

          Das harte Urteil gegen die beiden amerikanischen Journalistinnen Lee und Ling hatte international große Kritik hervorgerufen. Die amerikanische Regierung appellierte mehrmals vergeblich an Pjöngjang, die beiden Frauen aus humanitären Gründen freizulassen. Außenministerin Clinton hatte sich sogar in einem Brief an Pjöngjang für die beiden entschuldigt.

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