https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/biden-und-putin-beraten-ueber-lage-in-der-ukraine-17667157.html

Warnung vor Angriff im Januar : Biden und Putin wollen über Lage in der Ukraine sprechen

  • Aktualisiert am

Wladimir Putin und Joe Biden Bild: dpa

Es stehe ein Militäraufmarsch an der ukrainischen Grenze mit bis zu 175.000 Soldaten bevor, heißt es aus der US-Regierung. Sie befürchtet einen Angriff auf die Ukraine. Am Dienstag ist ein virtueller Gipfel von Biden und Putin geplant.

          2 Min.

          Inmitten der angespannte Lage im Ukraine-Konflikt ist das geplante virtuelle Gipfeltreffen von Russlands Staatschef Wladimir Putin und dem amerikanischen Präsidenten Joe Biden nach Angaben des Kremls nun für Dienstag angesetzt worden. Das sagte Sprecher Dmitri Peskow am Samstag in Moskau der Agentur Interfax.

          Nach russischen Angaben wird dabei auch der Ukraine-Konflikt Thema sein. Biden hatte Putin vor einem militärischen Eingreifen in der Ukraine gewarnt und neue Initiativen zum Schutz des osteuropäischen Landes angekündigt. Nach bislang nicht dementierten Angaben hat Russland in Gebieten unweit der Grenze zur Ukraine in großem Maße Truppen zusammengezogen.

          Aufmarsch mit bis zu 175.000 Soldaten

          Putin und Biden hatten sich im Juni in Genf zu ihrem ersten Gipfel getroffen. Dabei waren unter anderem neue Gespräche über eine atomare Abrüstungsinitiative vereinbart worden.

          Übereinstimmenden Medienberichten zufolge rechnen US-Geheimdienste mit einem bevorstehenden russischen Militäraufmarsch an der ukrainischen Grenze mit bis zu 175.000 Soldaten. Die „Offensive“ könne schon Anfang nächsten Jahres beginnen, berichteten am Samstag die „Washington Post“ und die „New York Times“ unter Berufung auf Dokumente der amerikanischen Geheimdienste und Vertreter der Regierung.

          Ein ukrainischer Soldat im Dezember nahe der Frontlinie in der Ostukraine
          Ein ukrainischer Soldat im Dezember nahe der Frontlinie in der Ostukraine : Bild: EPA

          Die Geheimdiensterkenntnisse zeigten, dass Russland einen massiven Angriff auf die Ukraine vorbereite, sagten die Beamten demnach. Es sei aber unklar, ob der russische Präsident die Ukraine auch tatsächlich angreifen wolle.

          Den Angaben zufolge sollen mit der Verlegung der Soldaten auch Artillerie, Panzer und weiteres schweres Gerät an verschiedenen Orten entlang der ukrainischen Grenze aufgefahren werden. Die Analyse stützt sich demnach teils auf Satellitenbilder, die im November „neu angekommene Einheiten“ entlang der Grenze zeigten, hieß es.

          Das russische Außenministerium wiederum warf den Vereinigten Staaten vor, eine „Sonderoperation“ durchzuführen, „um die Lage in der Ukraine zu verschärfen und gleichzeitig die Verantwortung auf Russland abzuwälzen“. Das sagte Sprecherin Maria Sacharowa der russischen Zeitung „Kommersant“ am Samstag. „Es basiert auf provokativen Aktionen nahe der russischen Grenze, begleitet von anklagender Rhetorik gegen Moskau. Im Prinzip nichts Neues“, meinte sie.

          Blinken: Wir sind zutiefst besorgt

          Der amerikanische Außenminister Antony Blinken hatte Russland erst vor wenigen Tagen Vorbereitungen eines Angriffs vorgeworfen. „Wir sind zutiefst besorgt über Beweise dafür, dass Russland Pläne für bedeutende aggressive Schritte gegen die Ukraine erstellt hat“, sagte Blinken. Die amerikanische Regierung hat Moskau für den Fall eines Angriffs mit massiven Sanktionen gedroht, die gemeinsam mit Verbündeten umgesetzt würden.

          Die Ukraine hatte erst am Freitag vor einem möglichen Angriff Russlands gewarnt. „Der wahrscheinlichste Zeitpunkt zur Eskalationsbereitschaft ist Ende Januar“, sagte Verteidigungsminister Olexij Resnikow. Er nannte eine Zahl von 94.300 russischen Soldaten, die dafür bereitstehen könnten. Es handele sich dabei um ein „wahrscheinliches Szenario“, das so nicht eintreten müsse. Den US-Berichten zufolge geht die Regierung in Washington derzeit von rund 70.000 russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze aus.

          Russland hatte 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 annektiert, nachdem die gewählte ukrainische Regierung in Kiew gewaltsam gestürzt worden war. Im Osten des Landes kämpfen seither von Moskau unterstützte Rebellen gegen die nun prowestliche Regierung in Kiew.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Der Kunde ist König“ gilt schon lange nicht mehr. Dienstleister wollen oft sogar eher abschrecken.

          Marktwirtschaft : Warum der Kunde nicht mehr König ist

          Immer mehr Dienstleister konzentrieren ihre Kreativität darauf, mögliche Abnehmer zu vergraulen. Sie haben dafür gute Gründe, denn nicht nur die Pandemie verändert die Situation. Gerade der Personalmangel macht ihnen zu schaffen.