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Vor Machtübernahme der Taliban : Biden lobte Afghanistans Militär

  • Aktualisiert am

Aus einer anderen Zeit: Ghani und Biden am 25. Juni in Washington Bild: AFP

Der Mitschnitt eines Telefonats zwischen Biden und Ghani vor der Machtübernahme der Taliban gerät an die Öffentlichkeit. Darin ist der amerikanische Präsident voll des Lobes für Afghanistans Militär.

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          Der amerikanische Präsident Joe Biden hat in seinem letzten Telefonat mit seinem inzwischen gestürzten afghanischen Kollegen Aschraf Ghani vor der Machtübernahme der Taliban die Armee seines Verbündeten gelobt. „Sie haben eindeutig das beste Militär“, sagte Biden in dem etwa 14 Minuten langen Gespräch am 23. Juli. „Sie haben 300.000 gut ausgerüstete Soldaten gegen 70.000 bis 80.000 und sie sind offensichtlich in der Lage, gut zu kämpfen“, heißt es in einer Abschrift des Telefonats, die der Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider zugänglich gemacht wurde. Reuters konnte das Dokument anhand einer Tonaufnahme des Gesprächs verifizieren. Das amerikanische Präsidialamt lehnte eine Stellungnahme ab, Ghani und seine Mitarbeiter waren nicht zu erreichen.

          Ghani war am 15. August vor den anrückenden Taliban aus seinem Präsidentenpalast geflohen, ohne dass seine Armee entschiedenen Widerstand geleistet hätte. In dem Telefonat zeigt sich keiner der beiden Männer der Gefahr bewusst, dass die Islamisten innerhalb von Tagen faktisch das Land übernehmen würden. Ghani erklärte, es könne Frieden geben, wenn er es schaffe, die „militärische Situation neu auszutarieren“. Es müsse jedoch schnell gehandelt werden. „Wir haben es mit einer großangelegten Invasion zu tun, die sich aus den Taliban, Planung und logistischer Unterstützung aus Pakistan und mindestens 10.000 bis 15.000 internationalen Terroristen – überwiegend Pakistaner – zusammensetzt.“

          Afghanische Regierungsvertreter und amerikanische Experten haben wiederholt eine Unterstützung Pakistans für die Taliban als einen Faktor beim Wiedererstarken der  Islamisten bezeichnet. Ein Sprecher der pakistanischen Botschaft in Washington wies die Vorwürfe dagegen zurück. „Der Mythos von den Taliban-Kämpfern, die von Pakistan herüberkommen, ist leider nur eine Ausrede und ein nachträglicher Einfall von Aschraf Ghani, um sein Versagen bei der Führung und dem Regieren zu rechtfertigen.“

          Biden sprach in dem Telefonat wiederholt die internationale Wahrnehmung bezüglich der Lage in Afghanistan an. „Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass in der Welt und in Teilen Afghanistans der Eindruck entsteht, glaube ich, dass es mit dem Kampf gegen die Taliban nicht gut läuft“, sagte er. „Ob das nun stimmt oder nicht, es muss ein anderes Bild vermittelt werden.“

          Die Wahrnehmung könnte geändert werden, wenn prominente afghanische Politiker in einer gemeinsamen Pressekonferenz eine neue Militärstrategie unterstützen würden. Biden versprach Ghani: „Wir werden weiterhin hart kämpfen – diplomatisch, politisch und wirtschaftlich – um sicherzustellen, dass Ihre Regierung nicht nur überlebt, sondern erhalten bleibt und wächst.“ 

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