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Gouverneur von New York : Biden lässt Cuomo fallen

  • -Aktualisiert am

Andrew Cuomo, hier vergangenen April, verliert in den eigenen Reihen an Rückendeckung. Bild: Shannon Stapleton/Reuters/AP/dpa

Der Präsident empfiehlt ihm den Rücktritt, seine eigene Partei will ihn des Amtes entheben: Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo kann die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung politisch kaum überleben. Seine Generalstaatsanwältin stellte nun ihren Bericht vor.

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          Nun wendet sich auch Joe Biden von Andrew Cuomo ab. Der New Yorker Gouverneur wird sich vielleicht nicht mehr lange im Amt halten können, der Präsident forderte am Dienstag den Rücktritt seines langjährigen politischen Verbündeten. Grund ist der Bericht der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James, die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Cuomo untersucht hatte. Demzufolge belästigte und nötigte Cuomo elf Frauen sexuell und schuf eine Arbeitsatmosphäre in seinem Stab, die als „toxisch“ und als unterminierend für die berufliche Laufbahn von Frauen beschrieben wurde.

          Biden erinnerte daran, dass er die Vorwürfe im Frühjahr bereits sehr ernst genommen habe. „Damals im März habe ich gesagt, wenn die Ermittlungen der Generalstaatsanwältin ergeben, dass die Anschuldigungen stimmen, dann würde ich empfehlen, dass er zurücktritt“, sagte der Präsident, der nicht direkt mit Cuomo gesprochen hatte. „Das ist es, was ich heute tue. Ich denke, er sollte zurücktreten.“ Die Chefin des Repräsentantenhauses, Demokratin Nancy Pelosi, schloss sich der Forderung ebenso an wie mehrere Gouverneure ihrer Partei. Carl Heastie, der demokratische „Sprecher“ der New Yorker Abgeordnetenversammlung, sagte, dass die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft das in der Kammer laufende Amtsenthebungs-Verfahren gegen den Gouverneur beschleunigen würden.

          Vorwürfe im Februar erhoben

          Cuomo soll mehreren Frauen, darunter Angestellten, Fragen zu ihrem Privatleben gestellt, sie zum Sex aufgefordert und sie ohne Einwilligung angefasst haben. Lindsey Boylan, früher Cuomos wirtschaftspolitische Beraterin, hatte ihre Vorwürfe im Februar als Erste öffentlich gemacht. Ihr folgten weitere Frauen. Zwischen 2016 und 2018 habe Cuomo Boylan mehrfach ohne Einverständnis berührt und geküsst, so Generalstaatsanwältin James. Nachdem Boylan darüber mit Journalisten gesprochen hatte, habe der Gouverneur aktiv versucht, sie zu diskreditieren und habe dabei persönliche Informationen über sie veröffentlicht. Der ernsteste Vorwurf kommt von einer namentlich nicht genannten Mitarbeiterin, die unter anderem schilderte, dass Cuomo ihr ungewollt unter die Bluse und an die Brust gegriffen habe.

          In dem Ermittlungsbericht schildern auch drei Zeuginnen Cuomos Verhalten, über die bislang noch nicht berichtet worden war. So ist unter den Betroffenen auch eine Landespolizistin, die aussagte, von dem Politiker belästigt worden zu sein, als sie zu seinem Sicherheitsteam zählte.

          James und ihre Mitarbeiter ermittelten fünf Monate lang und befragten 179 Zeuginnen und Zeugen. Dadurch und durch weiteres Material wie E-Mails seien die Anschuldigungen der Frauen breit bestätigt worden. „Ich glaube diesen Frauen“, sagte die Generalstaatsanwältin am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts. Cuomo selbst war elf Stunden lang befragt worden. Der 63 Jahre alte Politiker wandte sich am Dienstag an die Öffentlichkeit und sagte abermals, er habe niemals jemanden unaufgefordert angefasst. Er habe sein ganzes erwachsenes Leben lang im Dienst an den Bürgern verbracht. Cuomo ließ eine Slideshow abspielen, die ihn zeigte, wie er im Amt andere Menschen umarmte – seine Gesten seien stets dazu da gewesen, „Wärme zu vermitteln, nichts weiter“, sagte er dazu.

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