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Erstes Biden-Sanders-Duell : Wer wäre der beste Krisenmanager?

  • -Aktualisiert am

Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden (links) und Bernie Sanders begrüßen sich angesichts der Coronavirus-Krise mit den Ellenbogen. Bild: Reuters

Kein Publikum, kein Händeschütteln: Das Coronavirus bestimmt auch die Fernsehdebatte der Demokraten. Die Duellanten Joe Biden und Bernie Sanders kramen aber auch alte Geschichten hervor, um einander zu schaden.

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          Die amerikanische Notenbank senkte den Leitzins auf fast null Prozent, in New York machten die Behörden nach langem Zögern die Schulen zu und die offizielle Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen im Land näherte sich 3500. Joe Biden und Bernie Sanders trafen am Ende dieses unruhigen Sonntags in Washington aufeinander, vor den Kameras der Fernsehsender CNN und Univision, aber ohne Publikum und ohne Handschlag. Stattdessen gab es einen freundlichen Ellbogen-Stupser. Die Frage, wie mit der alles verändernden Krise umzugehen sei, dominierte diese elfte Fernsehdebatte, die auf einen Zweikampf zusammengeschrumpft war.

          Dass die Vereinigten Staaten eine dramatische Überlastung ihres Gesundheitssystems fürchten müssen, ist für Sanders vor allem eine Folge der bisherigen Ordnung. Er sagte, dass die Pandemie alle Schwachstellen des Systems freilege: Die Amerikaner zahlten doppelt so viel für die Versorgung von Patienten wie vergleichbare Staaten – aber man sei katastrophal schlecht auf die Masse von Coronavirus-Betroffenen vorbereitet.

          In den Vereinigten Staaten sind allein 28 Millionen Menschen unversichert. Mit dem von Sanders vorgeschlagenen „Medicare for All“-System müsse sich niemand mehr fragen, ob er in einer Pandemie versorgt werde, so der Senator aus Vermont. Gleiches gelte für die ökonomischen Verwerfungen, die folgen würden. Jetzt räche sich, dass es keine flächendeckende Kinderbetreuung, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen Mindestlohn gebe.

          Biden geht auf Parteilinke zu

          Biden wollte diese Argumentation nicht gelten lassen. Immer wieder sagte der ehemalige Vizepräsident, die gegenwärtige Lage habe mit der Diskussion um eine gesetzliche Krankenversicherung „nichts zu tun“. Statt um die Systemfrage gehe es jetzt um Resultate. Dabei versprach er, mit Geld zu helfen. Niemand solle für Untersuchungen und Behandlungen zahlen, die mit dem Virus zusammenhingen, so Biden.

          Niemand solle sein Haus verlieren, niemand um sein Gehalt fürchten müssen. Kein Einwanderer ohne Papiere solle davor zurückschrecken, sich testen zu lassen. Wenn er Präsident wäre, würde bei den Untersuchungen kein Geld und von den mindestens elf Millionen Einwohnern ohne Aufenthaltstitel keine Auskunft über ihren Status verlangt, kündigte Biden an. Er versprach damit all die Elemente als temporäre Sofortmaßnahmen, die Sanders systematisch angehen will. Durch die Vereinbarungen zwischen Präsident Trump und dem Kongress sind sie zum Teil bereits in Arbeit.

          Biden war vor der Debatte etwas auf die Parteilinke zugegangen – oder hatte sich, je nach Blickwinkel, Teile aus deren Agenda angeeignet. So hatte er erklärt, einen Plan von Senatorin Elizabeth Warren übernehmen zu wollen. Die ehemalige Bewerberin um die Nominierung will es Bürgern leichter machen, Privatinsolvenz zu beantragen. Biden wolle zudem dafür sorgen, dass Studierende aus Familien mit einem Jahreseinkommen unter 125.000 Dollar keine Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen zahlen müssen. „Da lag er eben richtig“, sagte Biden über Sanders, der diese Forderung seit Jahrzehnten erhebt. Auch einen Mindestlohn von 15 Dollar die Stunde unterstützt Biden inzwischen. Sanders dankte dem ehemaligen Vizepräsidenten – Führungsqualität beweise allerdings, wer in all diesen Fragen vorneweg gehe, lange bevor sie populär würden, sagte der 78 Jahre alte Senator.

          Trotz Virus – die Vorwahlen gehen weiter

          Als die Moderatoren die Debatte von der aktuellen Situation weglenkten, traktierten sich die Kandidaten rasch mit Vorwürfen aus der ferneren Vergangenheit. Sanders warf Biden unter anderem vor, dass der in seiner Laufbahn im Kongress mehrfach zur Kürzung von Sozialleistungen aufgerufen habe. Biden wiederum kritisierte Sanders für seine frühere Positionen zum Waffenrecht. 2003 und 2005 hatte Sanders für ein Gesetz gestimmt, das es schwerer macht, Waffenhersteller für Taten zu verklagen, die mit ihren Produkten begangen werden.

          Beide Kandidaten versprachen wiederholt, den jeweiligen Sieger zu unterstützen – es gehe schließlich vor allem darum, Trump zu schlagen. Biden kündigte auch an, eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen. Sanders sagte, er würde das wahrscheinlich auch tun. Am wichtigsten sei aber, dass es sich um eine progressive Frau handele. Davon gebe es viele.

          Trotz des Coronavirus finden am Dienstag in Ohio, Florida, Arizona und Illinois die demokratischen Vorwahlen statt. Biden liegt in den Umfragen vorn und hat einen Vorsprung von 890 zu 736 Delegiertenstimmen. Wenn der 77 Jahre alte frühere Vizepräsident sich durchsetzt, muss er als nächstes möglichst viele Sanders-Anhänger überzeugen.

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