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Beweise schon zerstört? : Amerika: Giftgas-Untersuchung in Syrien kommt zu spät

  • Aktualisiert am

In den betroffenen Vororten der Hauptstadt Damaskus tragen die Soldaten Mundschutz. Bild: dpa

Inspekteure der Vereinten Nationen sollen jetzt untersuchen, ob in Syrien Giftgas eingesetzt wurde. Damit sind die Vereinigten Staaten nicht zufrieden.

          Die Vereinigten Staaten sehen klare Hinweise, dass der mutmaßliche Giftgasangriff in Syrien von der dortigen Regierung verübt wurde. Von der Prüfung des Vorfalls durch Inspektoren der Vereinten Nationen versprechen sich die Vereinigten Staaten wenig, da die syrische Armee mittlerweile viele Belege zerstört habe, machte ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter am Sonntag deutlich.

          Seinen Worten zufolge gibt es wenig Zweifel, dass die Truppen von Präsident Baschar al-Assad Chemiewaffen gegen Zivilisten eingesetzt hätten. Darauf deuteten die verfügbaren Augenzeugenberichte sowie Informationen von unabhängigen Quellen, den amerikanischen Geheimdiensten und internationaler Partner hin.

          Bei der mutmaßlichen Giftgasattacke auf einen Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus waren vergangene Woche Hunderte Menschen ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Kinder. Regierung und Rebellen machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Nach starkem internationalem Druck erklärte sich die Regierung am Sonntag aber bereit, eine Untersuchung durch Inspektoren der Vereinten Nationen (UN) zuzulassen. Diese soll bereits am Montag beginnen, da die UN-Experten bereits in Syrien sind, um andere Vorfälle zu klären.

          „Zu spät und nicht glaubwürdig“

          Der amerikanische Regierungsvertreter sagte, das Angebot komme zu spät und sei nicht glaubwürdig. Beweise dürften unter anderem infolge des dauernden Beschusses der Gegend durch syrische Truppen zerstört worden sein, erläuterte er.

          Ähnlich äußerte sich der britische Außenminister William Hague. „Wir müssen realistisch sein, was das Ergebnis der Untersuchungen der UN-Inspekteure betrifft“, sagte Hague am Sonntag dem Sender Sky News. „Natürlich können Beweise zerstört worden sein“, betonte er mit Blick auf anhaltende Artillerie-Angriffe auf die betroffene Gegend östlich der Hauptstadt.

          Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, die Untersuchung durch UN-Inspektoren sei eine „wichtige Vereinbarung in einer dramatischen Lage“. Er begrüße, dass die Untersuchung jetzt unverzüglich erfolgen solle.

          Amerikas Präsident Barack Obama berät derzeit über Reaktionen auf den mutmaßlichen Gasangriff. Nach Worten von Verteidigungsminister Chuck Hagel sind die USA auf ein militärisches Eingreifen vorbereitet, sollte sich Obama dafür entscheiden. Parlamentarier sprachen sich für begrenzte Militäraktionen aus, etwa den Einsatz von Marschflugkörpern. Der demokratische Senator Jack Reed sagte, ein Eingreifen dürfe nur mit internationaler Unterstützung erfolgen, „nicht nur politisch, sondern auch militärisch“.

          Russland warnte die Vereinigten Staaten vor einem Alleingang in Syrien. Jede Militäraktion auf eigene Faust würde zu einer weiteren Eskalation in dem Land führen und hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheitslage im gesamten Nahen Osten, erklärte das Außenministerium. Ferner würden damit die gemeinsamen amerikanisch-russischen Bemühungen um eine internationale Friedenskonferenz zu Syrien untergraben. Das Ministerium forderte, zunächst müsse das Ergebnis der UN-Untersuchung abgewartet werden.

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