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Papstgesandter verurteilt : Bewährungsstrafe wegen sexueller Belästigung

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Erzbischof Luigi Ventura Bild: AFP

Im Prozess gegen den Erzbischof Luigi Ventura wurde am Mittwoch in Paris in seiner Abwesenheit das Urteil gesprochen. Eine offizielle Stellungnahme des Vatikans blieb indes aus.

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          Der frühere vatikanische Botschafter in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, ist am Mittwoch in Paris wegen sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damalige Apostolische Nuntius bei Veranstaltungen 2018 und 2019 fünf Männer unsittlich berührt habe. Die Ausführungen der Opfer seien glaubwürdig und detailliert. Der 75 Jahre alte italienische Geistliche blieb der Urteilsverkündung fern. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten gefordert.

          Schon der Prozess hatte im November in Abwesenheit des Angeklagten stattgefunden. Ventura hatte ein ärztliches Attest vorgelegt, wonach ihm die Reise von Rom nach Paris aufgrund der Corona-Pandemie nicht zuzumuten sei. Die fünf Nebenkläger hatten daraufhin einen Befangenheitsantrag gestellt. Sie argumentierten, ein Prozess in Abwesenheit Venturas sei „sinnlos“. Das Gericht gab dem Antrag jedoch nicht statt.

          Ins Rollen brachte den Prozess ein Mitarbeiter des Rathauses in Paris. Laut der Anklageschrift hat Ventura, der Doyen des Diplomatischen Korps war, im Januar 2019 den jungen Mann belästigt, über sein Privatleben befragt und mehrmals unsittlich berührt. Der Mann sei mit der Betreuung des kirchlichen Würdenträgers während des Neujahrsempfangs beauftragt gewesen. „Sobald ich fliehen konnte, tat ich es“, sagte er. Seine Vorgesetzten im Rathaus hätten ihn ermutigt, Anzeige zu erstatten. Gegen die Kirche habe er persönlich nichts. Ein früherer Priesteramtskandidat sagte vor Gericht aus, Ventura habe ihn im Dezember 2018 im Seminar von Issy-les-Moulineaux bei Paris sexuell belästigt. Als er sich zur Klage gegen den Nuntius entschieden habe, habe man ihm nahegelegt, seine Ausbildung zu beenden.

          Aus dem Vatikan gab es bis Mittwochnachmittag zunächst keine offizielle Stellungnahme zu dem Urteil. Auf Druck der französischen Regierung hatte der Vatikan im Juli 2019 die diplomatische Immunität Venturas aufgehoben, im Dezember 2019 wurde der Diplomat im Alter von 75 Jahren regulär in den Ruhestand versetzt. Es war das erste Mal, dass der Vatikan in einem derartigen Fall die Immunität aufhob. Der vatikanische Botschafter in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski, dem 2013 sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen wurde, war von Papst Franziskus noch in den Vatikan zurückgeholt worden, wo er sich vor dem weltlichen Gericht des Vatikanstaats verantworten sollte, jedoch vor Prozessbeginn 2015 verstarb.

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