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Bettencourt-Affäre : „Buchhalterin entkräftet Vorwürfe gegen Sarkozy“

Vorerst zieht sich die Schlinge für den französischen Präsidenten nicht enger Bild: AP

In der Bettencourt-Affäre bahnt sich eine Wendung an. Die Buchhalterin der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt soll in einem neuerlichen Polizeiverhör die Vorwürfe gegen Nicolas Sarkozy entkräftet haben. Ihre Aussagen seien in einer Internetzeitung „romanhaft ausgeschmückt“ worden.

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          Die Internetzeitung „Mediapart“ wehrt sich gegen Vorwürfe, sie habe ein Gespräch mit der früheren Buchhalterin der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt nicht korrekt wiedergegeben. Alle Aussagen der Buchhalterin könnten überprüft werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Zuvor hatte sich in der Affäre am Donnerstag eine Wendung angebahnt. Die Zeitung „Le Monde“ berichtete nach Gesprächen mit den Ermittler, die Buchhalterin Claire T. habe in einem neuerlichen Polizeiverhör die Vorwürfe gegen Nicolas Sarkozy entkräftet und „Mediapart“ der „romanhaften Ausschmückung“ ihrer Aussagen bezichtigt. Claire T. sei am Mittwochabend von der Polizei vernommen worden und habe dabei Teile der von „Mediapart“ veröffentlichten Schilderungen zum mutmaßlichen Parteispendenskandal als „unwahr“ bezeichnet.

          50.000 Euro für die Wahlkampagne Sarkozys?

          So habe sie keinerlei Kenntnis von illegalen Parteispenden zur Finanzierung des Wahlkampfs des früheren Premierministers Edouard Balladur gehabt. Auch stammten die Schilderungen, dass Nicolas Sarkozy „Stammgast“ im Hause Bettencourt war, nicht von ihr. „Ich habe nie gesagt, dass regelmäßig Geldumschläge an Nicolas Sarkozy überreicht wurden“, zitierte „Le Monde“ die Buchhalterin.

          Mediapart: „Tratschseite” anstelle investigativer Berichterstattung
          Mediapart: „Tratschseite” anstelle investigativer Berichterstattung : Bild: AFP

          Claire T. hatte von 1995 bis zu ihrer Entlassung Ende 2008 die Kassenbücher für das Ehepaar Bettencourt geführt. Die Polizei hat die Kassenbücher, die mehrere Monate als „verschwunden“ galten, am Mittwoch in der Privatvilla der Multimillionärin Liliane Bettencourt gefunden. Sie werden nun ausgewertet.

          Die Zeitung „Libération“ veröffentlichte am Donnerstag einen Auszug aus einem der Kassenbücher, der die Ausgabe von 50.000 Euro ausweist. Die Buchhalterin hatte in ihrem ersten Verhör angegeben, sie habe die 50.000 Euro auf Geheiß von Vermögensverwalter Patrice de Maistre abgehoben, der diesen Betrag zur Finanzierung der Wahlkampagne Nicolas Sarkozys verwenden wollte

          Täglicher Zermürbungskrieg

          Der Anwalt der L’Oréal-Erbin sagte, der hohe Barbetrag sei für „Freunde, Ärzte, Kaufleute und einen Buchbinder“ verwendet worden. Der Anwalt der Buchhalterin wiederum bestätigte die Aussage seiner Mandantin, dass es sich um eine Parteispende gehandelt habe. Derartige Summen seien nicht abgehoben worden, „um zum Friseur zu gehen“.

          Im täglichen Zermürbungskrieg um die Bettencourt-Affäre wird der Ton deutlich gereizter. Die vom früheren Redaktionsleiter von „Le Monde“, Edwy Plenel, geleitete Internetzeitung „Mediapart“ steht wegen vermeintlich unlauterer Methoden unter Beschuss.

          Frei erfundener Klatsch?

          Industrieminister Christian Estrosi sagte, das Vorgehen des Online-Dienstes erinnere ihn an „eine bestimmte Presse in den dreißiger Jahren“. Der UMP-Chef Xavier Bertrand hielt „Mediapart“ „faschistische Methoden“ vor. Familienministerin Nadine Morano sprach von einer „Tratschseite“, die frei erfundenen Klatsch als investigativen Journalismus verkaufe.

          Die Verleumdungsklagen häufen sich. So hat Arbeitsminister Eric Woerth eine Klage wegen falscher Anschuldigung beim Strafgericht in Nanterre angestrengt. „Mediapart“-Leiter Plenel hat den UMP-Parteichef Bertrand mit einer Verleumdungsklage überzogen. An diesem Freitag soll die Finanzinspektion ihren Bericht über mögliche Steuerdelikte Liliane Bettencourts veröffentlichen.

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