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Betancourts Rückkehr nach Paris : „Frankreich hat sie nie aufgegeben!“

Bild: reuters

Der Empfang war ergreifend: „Ich träume seit sieben Jahren von diesem Augenblick“, sagte Ingrid Betancourt, als sie Frankreichs Präsident auf dem Rollfeld des Pariser Militärflughafens Villacoubray empfing. Gleichwohl sonnt sich Sarkozy als gescheiterter Vermittler im Glanz der Befreiten, die in Paris ihre Verbündeten trifft.

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          Ingrid Betancourt auf dem Militärflughafen Villacoublay bei Paris in die Arme zu schließen - davon hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zuletzt kaum mehr zu träumen gewagt. (Siehe auch: Betancourts Rückkehr nach Paris: Küsschen für die Heimgekehrte)

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Frankreich wird Ingrid Betancourt nie aufgeben!“, hatte er zwar im Freudentaumel der Wahlnacht des 6. Mai 2007 geschworen, als er das Duell gegen Ségolène Royal gerade gewonnen hatte. Doch seither erwies er sich als so umtriebiger wie erfolgloser Mittler in dem Geiseldrama um die Franko-Kolumbianerin.

          So ist es für ihn eine glückliche Fügung, dass er ohne jegliches Dazutun von der Erleichterung und Freude über die Befreiung Ingrid Betancourts in Frankreich profitiert und dabei Sympathien bei seinen Landsleuten dazugewinnt. Sein gequält freundlicher Dank an den kolumbianischen Präsidenten Uribe verdeckte nur schwach die Enttäuschung darüber, bei dieser Befreiungsaktion nicht als Macher in Szene getreten zu sein. „Dem Präsidenten Uribe sage ich auch bravo. Glauben Sie mir, dass ich dies sage, weil ich es im Grunde meines Herzens so empfinde“, formulierte Sarkozy.

          „Frankreich liebt sie” Sarkozy und Betancourt

          Keine Führungsrolle

          Dabei war Sarkozys Verhältnis zu Uribe, Leuchtturm der Konservativen in Lateinamerika, in den vergangenen Monaten äußerst gespannt. Der Kolumbianer wollte dem französischen Präsidenten keine Führungsrolle bei der Konfliktlösung zubilligen. Seit gut einem Jahr konfrontierte Sarkozy ihn immer wieder mit wechselnden Strategien.

          Zunächst hatte der Präsident von Uribe die Freilassung einer der Farc-Führungsgestalten, Rodrigo Granda, aus kolumbianischer Haft verlangt - Uribe gab dem Wunsch im Juni 2007 nach. Doch dann weigerte sich Uribe, die „Banditen der Farc“ weiter zu Verhandlungspartnern aufzuwerten. Sarkozy begann daraufhin, sich Hugo Chávez anzunähern. Im vergangenen November hofierte er Venezuelas Präsidenten im Elysée-Palast, wandte sich dann aber wieder von ihm ab, enttäuscht über das ungestüme Wesen des Venezolaners.

          „Sie müssen eine Frau retten, die in Lebensgefahr schwebt“

          Gleich zweimal versuchte Sarkozy, direkt mit den Farc-Guerrilleros zu verhandeln. In einer Fernsehbotschaft richtete er sich in der Vorweihnachtszeit voller Dramatik an den Farc-Chef „Monsieur Marulanda“: „Sie müssen eine Frau retten, die in Lebensgefahr schwebt.“ Bei einem Besuch Uribes in Paris am 21. Januar riet Sarkozy dem kolumbianischen Präsidenten, die Farc-Guerilla als politische Kraft anzuerkennen und in das politische System Kolumbiens einzugliedern. In einem weiteren Versuch bot Sarkozy Farc-Terroristen ein Exil in Frankreich an. Am 1. April sagte er in einer neuen Fernsehbotschaft an Monsieur Marulanda: „Sie haben ein Rendez-vous mit der Geschichte. Befreien Sie Ingrid Betancourt.“ Kurze Zeit später wurde bekannt, dass Marulanda am 26. März einem Herzinfarkt erlegen war. Sarkozy entstandte noch im April in einer unkoordinierten Aktion ein französisches Sanitärflugzeug nach Bogotá. Doch die „French doctors“ kehrten unverrichteter Dinge nach Paris zurück.

          Von der jetzt von Uribe koordinierten Befreiungsaktion erfuhr Sarkozy erst, als sie schon vollendet war. Das hindert ihn nicht daran, sich im Ruhm der geglückten Operation zu sonnen. Kritik Ségolène Royals an seinen Vereinnahmungsversuchen ließ er pikiert zurückweisen.

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