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Betancourts Befreiung : „Die hatten Hemden mit Che Guevara drauf“

  • -Aktualisiert am

Melanie Delloye (l.) küsst ihre Mutter Ingrid in Bogota Bild: AFP

Unmittelbar nach ihrer Befreiung präsentierte sich Ingrid Betancourt in bester Verfassung - und dankte Kolumbiens Präsident Uribe für seinen Einsatz: „Ich bete zu Gott, dass er den Kolumbianern erlaubt zu glauben, dass Frieden möglich ist.“

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          Am Morgen hatte sie gebetet und wie an so vielen Tagen daran gedacht, dass sie befreit werden könnte. Als ihre Wächter dann tatsächlich sagten, sie und die vierzehn anderen Geiseln ihrer Gruppe sollten ihre Sachen packen, sie würden abgeholt, da kam wieder einmal die Hoffnung auf, eine internationale Mission könne vielleicht kommen und einen Geiselaustausch vorbereiten.

          Doch als Ingrid Betancourt dann den weißen Hubschrauber und die seltsame Besatzung sah, die da im Urwald landete, ging die Hoffnung gleich wieder in Verzweiflung über. „Die hatten Hemden mit Che Guevara drauf, da dachte ich, die sind von den Farc.“ Wieder Abtransport an einen anderen Ort, weitere Gefangenschaft, es war deprimierend. Die Geiseln mussten gefesselt in den Hubschrauber einsteigen.

          „Gott hat uns ein Wunder bereitet“

          „Ich dachte, jetzt führen sie uns wieder wie Clowns in einem Zirkus vor.“ Immer wenn Ingrid Betancourt als Beweis, dass sie noch lebte, „vorgeführt“ worden war, hatte sie das als erniedrigend empfunden. Im vergangenen November war zuletzt ein neues Bild von ihr verbreitet worden. Das Video der abgemagerten Geisel erschütterte die ganze Welt.

          Melanie Delloye (l.) küsst ihre Mutter Ingrid in Bogota Bilderstrecke

          Doch ein paar Minuten nachdem der Hubschrauber aufgestiegen war, sah Ingrid Betancourt plötzlich ihren langjährigen Bewacher mit dem Decknamen „Cesar“ am Boden liegen. „Zuerst dachte ich, er sei gestürzt.“ Doch dann lag der mächtige Comandante auch schon nackt und mit verbunden Augen vor ihr am Boden. Als sich die Besatzung zu erkennen gab – „Wir sind vom Heer, sie sind frei“ – fielen sich alle um den Hals, weinend, schreiend, umherspringend, dass man Angst haben musste, der Hubschrauber könne abstürzen.

          „Wir konnten es nicht fassen. Gott hat uns ein Wunder bereitet, ein Wunder“, sagt Ingrid Betancourt später, als sie auf dem Militärstützounkt Tomachipán landet und nach sechs Jahren Geiselhaft im Dschungel ihre Mutter Yolanda Pulecio in die Arme schließt.

          Infiltration der obersten Farc-Ebene

          Das „Wunder“ war von den kolumbianischen Streitkräften und Nachrichtendiensten seit mehr als einem Jahr minutiös vorbereitet worden. Der Polizist Jhon Frank Pinchao, dem im Mai 2007 die Flucht aus der Gefangenschaft der Farc gelungen war, hatte genauere Angaben über den Aufenthaltsort der Geiseln machen können. Den Geheimdiensten war es gelungen, verdeckte Ermittler in jenen Guerilla-Trupp einzuschleusen, der für die Bewachung der Geiseln verantwortlich war.

          Selbst das Sekretariat, die oberste Führungsebene der Farc, sei „auf verschiedene Weise infiltriert worden“, erklärte der kolumbianische Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Den eingeschleusten Agenten war es gelungen, den Bewachern vorzutäuschen, die Geiseln sollten zum obersten Guerrilla-Chef Alfonso Cano gebracht werden. Eine fiktive internationale Menschenrechtsorganisation solle den Transport übernehmen. Nur die beiden Chefbewacher sollten die Überführung persönlich begleiten, für mehr Guerrilleros sei neben den 15 Geiseln und der fünfköpfigen Besatzung kein Platz an Bord.

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