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Flüchtlingslager im Irak : Auf Trümmer gebaut

Im Lager Hassan Scham: Hier treffen Männer, die für den IS kämpften, auf Menschen, denen der IS alles genommen hat. Bild: AFP

Im Camp Hassan Scham im Nordirak leben Tausende irakische Binnenflüchtlinge. Sie warten darauf, dass sie wieder frei leben können. Manche schon seit vielen Jahren. Eine Reportage.

          7 Min.

          Hassan Scham ist ein zerstörtes und verlassenes Dorf inmitten einer sanften Hügellandschaft im Norden des Iraks, im August 2014 wurde es vom „Islamischen Staat“ erobert, nach etwa sechs Wochen wieder befreit. Zwei Jahre später wurde dort ein Lager für Binnenflüchtlinge errichtet. Noch immer harren dort etwa fünftausend Menschen in einer grauen Zeltstadt aus. Die Gründe dafür, dass sie nicht in ihre Heimat zurückkehren können, sind so vielfältig wie die Missstände in ihrem Heimatland. Die Terrorherrschaft des IS und der lange Krieg gegen die Dschihadisten haben Städte und Dörfer zerstört, die Gesellschaft mit Hass und Misstrauen vergiftet. Milizen, die den IS vertrieben haben, führen sich mancherorts selbst wie Besatzer auf. Korruption bremst den Wiederaufbau. Innere Machtkämpfe sind nach dem militärischen Sieg über den IS neu entflammt.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Abdallah wohnt in einem Abschnitt des Lagers, der jungen Männern wie ihm vorbehalten ist. Er war ein Teenager, als der IS seine Heimatprovinz Salaheddin eroberte. Er schloss sich den Dschihadisten an. Nur ganz kurz, wie er beteuert. „Ich war in einem Trainingslager, bin aber danach davongelaufen.“ Seine Kumpel in der Runde erzählen ähnliche Geschichten. Sie alle wollen nichts verbrochen haben. Sie alle sehen aus wie andere irakische Jungs in ihrem Alter: Röhrenjeans, gefälschte Markenturnschuhe, schimmernde, mit Unmengen von Haargel modellierte Frisuren. Sie alle haben weit mehr als ein Viertel ihres bisherigen Lebens in dem Lager verbracht, manche von ihnen mehr als ein Drittel.

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