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Streit wegen Mazedonien : Athen weist russische Diplomaten aus

Im Zwist: Russland und Griechenland Bild: Reuters

Auch orthodoxe Bruderliebe endet irgendwann: Russische Diplomaten sollen durch Bestechungen versucht haben, ein Ende des Namensstreits zwischen Griechenland und Mazedonien zu verhindern.

          Als in der vergangenen Woche Kroatien gegen Russland um den Einzug in das WM-Halbfinale spielte, war die Stimmung in Athener Cafés und Kneipen nicht zu überhören: Wo immer das Spiel übertragen wurde, hielt es die Mehrheit mit den orthodoxen Brüdern aus dem Osten, nicht aber mit den Kroaten, die zu allem Überfluss auch noch mit den Serben verfeindet sind, dem Lieblingsvolk der Griechen auf dem Balkan. Doch auch orthodoxe Bruderliebe hat ihre Grenzen. Das zeigte sich am Mittwoch, nachdem die Athener Zeitung „Kathimerini“, das führende seriöse Blatt des Landes, unter Berufung auf ausführlich zitierte diplomatische Quellen berichtet hatte, die griechische Regierung plane, zwei russische Diplomaten auszuweisen und zwei weiteren die Rückkehr in das Land zu verweigern.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Wichtigster Anlass dafür seien russische Versuche, die womöglich bald bevorstehende endgültige Lösung des „Namensstreits“ zwischen Griechenland und Mazedonien doch noch zu verhindern. Moskau will diesen Konflikt nicht gelöst sehen, weil das zur Folge hätte, dass Griechenland seinen Widerstand gegen einen Nato-Beitritt Mazedoniens aufgeben wird. Eigentlich hätte Mazedonien schon 2008 auf dem Nato-Gipfel in Bukarest eine Einladung zum Beitritt erhalten sollen, was jedoch am Einspruch der damaligen griechischen Regierung scheiterte. Russland kam das äußerst gelegen, da den Kreml die Erweiterung der Nato um weitere Mitglieder verhindern will.

          Griechenlands Regierungssprecher kommentierte die Enthüllungen von „Kathimerini“ am Mittwoch auf eine Art, die eine klare Bestätigung des Zeitungsberichts war: Man strebe gute Beziehungen zu allen Staaten an, doch müssten auch alle Staaten „das Völkerrecht, die griechische Regierung und den griechischen Staat“ respektieren, so der Sprecher. Athen werde keinesfalls ein Benehmen dulden, das dem Völkerrecht und dem gebotenen Respekt für den griechischen Staat zuwiderlaufe. Man werde, wenn immer dies der Fall sei, Gegenmaßnahmen ergreifen. „Dies ist auch diesmal geschehen“, so der Sprecher. 

          „Eindeutige Beweise“ für russisches Fehlverhalten

          „Kathimerini“ hatte, eine ranghohe diplomatische Quelle zitierend, von russischer Agententätigkeit berichtet, die darauf gerichtet sei, die in Griechenland innenpolitisch höchst umstrittene geplante endgültige Beilegung des Streits mit Mazedonien zu untergraben. Verschiedene, mit russischen Interessen verbundene „Mechanismen“ oder „Hintermänner“ hätten versucht, sich in innere Angelegenheiten Griechenlands einzumischen, so das Blatt. Es sei versucht worden, durch finanzielle „Belohnungen“ Gemeinden sowie Metropoliten der griechisch-orthodoxen Kirche zu beeinflussen und Einfluss auf die orthodoxe Mönchsrepublik Athos im Norden Griechenlands zu nehmen. Dokumentiert sei zudem der Versuch einer Bestechung von Beamten, der jedoch fehlschlagen sei. Solche und ähnliche Handlungen unterminierten das Bild Russlands in Griechenland, da sie als „systematischer Versuch zur Verletzung der nationalen Souveränität und des internationales Rechts“ zu werten seien, zitiert Kathimerini die Quelle.

          Hervorzuheben sei vor allem der russische Versuch, „in besonders sensible nationale Angelegenheiten und Interessen Griechenlands auf dem Balkan“ einzugreifen, „insbesondere in das Thema des Namensstreits mit der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien.“ Im Zentrum des Verdachts steht offenbar der erste Sekretär der russischen Botschaft, der seit Januar 2017 in Athen auf Posten ist. Griechische Diplomaten weisen darauf hin, dass Athen im Fall des vergifteten einstigen russischen Agenten Sergej Skripal, anders als andere EU-Staaten, nicht einen einzigen Moskauer  Diplomaten aus Griechenland ausgewiesen habe. Diesmal lägen aber „eindeutige Beweise“ für russisches Fehlveralten vor.

          Russische Medien berichteten unterdessen, Moskau wolle durch die Ausweisung einer gleichen Anzahl griechischer Diplomaten aus Russland auf den Athener Schritt antworten. Davor warnte ein griechischer Diplomat am Mittwoch: Alle in Russland tätigen griechischen Diplomaten handelten streng im Rahmen ihrer diplomatischen Aufgaben und böten deshalb keinen Anlass für eine Ausweisung. Griechenland sei an einer Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zu Russland sowie der Freundschaft zwischen beiden Völkern interessiert. „Aber dazu müssen beide Staaten die Souveränität des anderen respektieren.“

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