https://www.faz.net/-gpf-738pk

Beschneidung in New York : Der Kampf des Rabbis

Das Ende der Beschneidungszeremonie: Rabbi Avrohom Cohn saugt das Blut von der Wunde Bild: MICHAEL NAGLE/The New York Times

In New York wurden für Beschneidungen strengere Bestimmungen erlassen. Orthodoxe jüdische Gemeinden wehren sich. Der Rabbi Romi Cohn würde dafür sogar ins Gefängnis gehen.

          Der New Yorker Rabbi Avrohom „Romi“ Cohn hat den Holocaust überlebt. Geboren im März 1929 in Pressburg (Bratislava) in der Slowakei, erlebte Cohn die Zerteilung seines damaligen Heimatlandes Tschechoslowakei. Dann kamen die Annexion der „Rest-Tschechei“ durch die Nazis, der Krieg, die deutsche Besetzung, Massendeportationen der Juden aus der Slowakei und aus Ungarn, wohin Cohn 1942 geflohen war. Es folgte der Kampf der Partisanen, denen sich der Jugendliche nach seiner Flucht angeschlossen hatte, die Befreiung Mitteleuropas durch die Sowjettruppen, das Chaos und das Elend der unmittelbaren Nachkriegszeit - das alles hat Romi Cohn er- und überlebt. Schließlich emigrierte er nach Amerika, wo er ein weithin geachteter Rabbi und Mohel im New Yorker Stadtteil Brooklyn wurde. Nun ist er 83 Jahre alt und sagt, für die Beschneidung würde er auch ins Gefängnis gehen.

          Babyblut mit Rotwein vermischt

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Mohel nimmt die in der Tora vorgeschriebene Beschneidung männlicher jüdischer Säuglinge am achten Tag nach der Geburt vor: die Brit Milah. Die Befugnis, sie zu vollziehen, erlangt ein Mohel nach einer mehrjährigen Schulung, die medizinische wie theologische Studien umfasst. Rabbi Romi Cohn hat in seiner gut vier Jahrzehnte währenden Laufbahn als Mohel mehr als 25.000 Beschneidungen hinter sich. Und er hat bei mehr als 25.000 frisch beschnittenen Säuglingen das Blut, das nach der Entfernung der Vorhaut an dem winzigen Penis austritt, mit dem Mund abgesaugt. Nach Überzeugung ultra-orthodoxer Juden schließt erst dieses Ritual, das „Metzitzah B’peh“, die Beschneidungszeremonie ab.

          „Gott sei es gedankt, in keinem einzigen Fall ist es dabei zu einer Infektion gekommen“, sagt Rabbi Cohn: „Denn unsere Richtlinien sind viel strenger als jene der medizinischen Zunft.“ Ehe Rabbi Cohn eine Brit Milah samt Metzitzah B’peh vornimmt, reinigt und sterilisiert er seine Hände und spült den Mund mit einem antiseptischen Mundwasser aus. Unmittelbar nach der Entfernung der Vorhaut mit einem Skalpell nimmt er einen Schluck Rotwein in den Mund, beugt sich über den frisch beschnittenen Penis, saugt für einen kurzen Augenblick das aus der Schnittstelle austretende Blut ein und lässt den mit einem Tröpfchen Babyblut vermischten Rotwein aus seinem Mund auf die Wunde fließen. „Wenn man sich strikt an das Ritual hält, nimmt das Baby keinen Schaden“, sagt Rabbi Cohn. Eine solche Beschneidung „ist ein Anlass der Freude, da ist nichts Traumatisches daran“, versichert er.

          So sieht es auch ein Rat ultraorthodoxer Rabbiner in Crown Heights, jenem Teil von Brooklyn, der eher an ein Schtetl als an eine amerikanische Metropole des 21. Jahrhunderts erinnert. „Es gibt keinen Grund zur Sorge wegen des Metzitzah B’peh“, heißt es in dem Dekret aus Crown Heights. Das Ritual sei „im Gegenteil sogar heilsam, wie selbst Ärzte bestätigen“.

          Weitere Themen

          Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

          Sitzung des Innenausschuss : Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

          Der dringend Tatverdächtige Stephan E. hat den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zugegeben. Das bestätigten mehrere Abgeordnete der F.A.Z. Außerdem habe er ausgesagt, allein gehandelt zu haben.

          Demokraten wollen Leid an der amerikanischen Grenze lindern Video-Seite öffnen

          Katastrophale Zustände : Demokraten wollen Leid an der amerikanischen Grenze lindern

          An der Grenze zu Mexiko herrschen wegen der gestiegenen Einwandererzahlen katastrophale Zustände in den Auffangeinrichtungen der amerikanischen Grenzbehörde. Ein Gesetz der Demokraten bewilligt insgesamt 4,5 Milliarden Dollar, um die Situation zu verbessern. Trump überlegt, ein Veto einzulegen.

          Topmeldungen

          Seit mehr als einer Woche sitzt Stephan E. bereits in der JVA Kassel I im Gefängnis. Nun soll er dem Mord an Walter Lübcke gestanden haben.

          Sitzung des Innenausschuss : Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

          Der dringend Tatverdächtige Stephan E. hat gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Das bestätigte Bundesinnenminister Seehofer. E. habe ausgesagt, allein gehandelt zu haben.

          Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

          Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.