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Beschneidung in New York : Der Kampf des Rabbis

Infektion durch Herpesviren

Das sieht man im Rathaus von New York anders. Zwar ist Bürgermeister Michael Bloomberg auch Jude. Aber wie die Mehrzahl der amerikanischen Juden, die zur liberalen Tradition des Judentums gehören, betrachtet er das Metzitzah B’peh nicht als von der Tora vorgeschriebenen Bestandteil des Beschneidungsrituals, sondern als sekundäres Brauchtum, das man aus dem Talmud herauslesen kann - oder auch nicht. Tatsächlich dürfte der im Englischen als „oral suction“ (Absaugen mit dem Mund) beschriebene Vorgang einst vor allem aus hygienischen Gründen in den Beschneidungs-Kanon aufgenommen worden sein: Der Speichel des Mohel desinfizierte die Wunde und verhinderte Entzündungen. In der Tora jedenfalls steht bloß, dass die Beschneidung am achten Tag zu erfolgen habe, vom Metzitzah B’peh ist in der hebräischen Bibel nicht die Rede.

Unter den Juden in den Vereinigten Staaten gehört die Praxis des oralen Blutabsaugens nur bei den ultraorthodoxen und einigen orthodoxen Gemeinden zum rituellen Pflichtprogramm der Beschneidung. Bei den konservativen und liberalen Juden wird die Beschneidungswunde herkömmlich desinfiziert, etwa mit steriler Gaze abgetupft.

Vorbereitung: Rabbi Cohn spült den Mund mit antiseptischem Mundwasser aus

In der Stadt New York, so schätzen die Gesundheitsbehörden, wird das Metzitzah B’peh jährlich bei etwa 3600 Säuglingen praktiziert. Erhebungen der Behörde haben ergeben, dass zwischen 2000 und 2011 elf Babys bei dem Ritual mit dem Herpes-Virus infiziert wurden. Schon vor sieben Jahren hatte die New Yorker Gesundheitsbehörde dem Rabbi Yitzchok Fischer in dem Vorort Monsey per Gerichtsbeschluss die Praxis des Metzitzah B’peh untersagt, nachdem kurz nach der Beschneidung zweier Zwillingsbrüder durch den Rabbi bei beiden Säuglingen eine Herpesinfektion festgestellt worden war; eines der Babies war an der Erkrankung gestorben. Der Rabbi hielt sich freilich nicht an das Verbot, und ein zivilrechtliches Verfahren gegen Fischer wurde später eingestellt. Der Anwalt von Rabbi Fischer argumentierte, die Ansteckung bei der Beschneidungszeremonie habe nie nachgewiesen werden können, die Babys seien gewiss anderswo infiziert worden. Strafrechtlich wurden die elf Herpesinfektionen und auch die zwei Todesfälle nie verfolgt.

Herpesviren sind nach Angaben der Behörde bei rund 70 Prozent aller Erwachsenen nachweisbar. Bei Erwachsenen führen die hochgradig ansteckenden Viren allenfalls zu unangenehmen Pusteln, bei Säuglingen aber kann eine Infektion tödlich sein. Tatsächlich sind von den elf mit Herpes infizierten Babies zwei gestorben, zwei weitere erlitten irreparable Gehirnschäden. „Es ist nicht möglich, das orale Absaugen an der offenen Wunde eines Neugeborenen sicher zu praktizieren“, sagt Dr. Jay Varma von der städtischen Seuchenschutzbehörde.

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