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Bericht über Wahlkampf-Video : Tritt der Held der Jugend gegen Trump an?

Bernie Sanders bezeichnet sich selbst als „demokratischen Sozialisten“, vor allem bei jungen Amerikanern ist er beliebt. Bild: AFP

Manche Demokraten glauben bis heute, dass Bernie Sanders Donald Trump 2016 geschlagen hätte. Nun spricht immer mehr dafür, dass der Sozialist 2020 noch einmal antreten wird. Beide Männer sind sich treu geblieben – auf ihre Art.

          Die Anzeichen verdichten sich, dass Bernie Sanders es noch einmal wissen will. Der „demokratische Sozialist“ zählt wohl selbst zu den gar nicht so wenigen Leuten, die überzeugt davon sind, dass er Donald Trump im Wahlkampf 2016 bezwungen hätte – wenn nicht das „Establishment“ in der demokratischen Partei so blind für die Stimmung im Land gewesen wäre und Hillary Clinton auf den Schild gehoben hätte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Nach einem Bericht des Internetdienstes „Politico“ hat Sanders bereits ein Video aufgenommen, um seine abermalige Kandidatur anzukündigen. Das wäre ein weiteres Zeichen dafür, dass der Senator die Sache ganz anders angehen würde als vor vier Jahren.

          Da versammelte er ein paar Reporter auf einem matschigen Rasenstück hinter dem Kapitol, um ihnen unter Zeitdruck ziemlich unwirsch mitzuteilen, dass Amerika auf einen neuen Linkskurs umsteuern müsse und dass er sich deshalb zur Wahl stelle: als Kandidat der demokratischen Partei, deren Fraktion er als „unabhängiger“ Senator aus Vermont offiziell gar nicht angehört.

          Er wurde zum Held der Jugend

          Sanders konnte seinerzeit nicht ahnen, dass er mit damals 73 Jahren zum Held der Jugend werden würde. Abertausende Kleinspender ermöglichten es ihm, Clinton im Vorwahlkampf dicht auf den Fersen zu bleiben. An diesen Erfolg will er nun anknüpfen, da es keine Clinton und keinen gesetzten Favoriten gibt, sondern ein weites Feld mit vermutlich zwanzig bis dreißig Anwärtern.

          Aber kann das funktionieren? Kann Sanders noch einmal zum Star der jungen Leute werden, auch wenn sein 80. Geburtstag in sein erstes Amtsjahr als Präsident fiele? Selbst Trump ist fünf Jahre jünger.

          Sanders und Trump haben eine entscheidende Gemeinsamkeit - und das ist nicht der Umstand, dass ihnen beiden das Populismus-Etikett angeklebt wurde. Es ist die Authentizität, welche im Wahljahr 2016 vermutlich so wichtig war wie nie zuvor. Trump bleibt sich treu, indem er sein Auftreten, seine Art zu reden nicht anpasst, auch nicht dem Amt des Präsidenten.

          Auch Sanders hat im Wahlkampf auf Anbiederungen verzichtet, hat sich nicht wie Hillary Clinton darauf versteift, für verschiedene Wählergruppen maßgeschneiderte Botschaften zu formulieren. Allerdings hat er deshalb vor allem unter Afroamerikanern und in der wachsenden Wählergruppe der Einwanderer aus Lateinamerika nie ein Bein auf den Boden bekommen.

          Sanders klang 2016 immer noch wie in den achtziger Jahren

          Anders als Trump, ist Sanders sich vor allem politisch treu geblieben. Seine Reden im Wahlkampf 2016 ähnelten denen, die er Jahrzehnte früher als Regionalpolitiker aus Vermont gehalten hatte. Begeistert schickten junge Leute einander Videos aus den achtziger oder neunziger Jahren, in denen ihr kauziger Held genauso klang wie in der Gegenwart.

          Noch vor vier Jahren wurden Sanders’ Vorstellungen von einer allgemeinen Krankenversicherung europäischen Zuschnitts oder einer Reichensteuer von demokratischen Parteigranden als abseitig belächelt. Schaut man sich das heutige Kandidatenfeld an, so ist vieles von dem Mainstream geworden, womit Sanders beim vorigen Mal aneckte.

          Was das für den Senator heißt, ist offen. Entweder empfängt ihn die Demokraten-Basis mit offenen Armen: als das Original, das es geschafft zu haben scheint, die ganze Partei nach links zu zerren. Oder sie freuen sich mehr darüber, dass es jetzt auch attraktivere, jüngere Anwärter wie die kalifornische Senatorin Kamala Harris oder den Texaner Beto O’Rourke gibt, die ihr Heil auf der Linken suchen.

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