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Bernd Mützelburg : Unser Mann für Afghanistan

Steinmeier präsentiert seine Wahl: Bernd Mützelburg Bild: dpa

Nachdem der amerikanische Präsident Obama einen Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan ernannt hatte, wollte auch Deutschland nicht nachstehen. Außenminister Steinmeier schickt einen verdienten Spitzendiplomaten in die Kriegsregion.

          Wie souverän Bernd Mützelburg sein Amt versieht, ließ sich kurz vor Weihnachten beobachten. Während der Vorstellung eines Buches in Delhi - Titel: „Die afghanische Misere“ - trat der deutsche Botschafter in Indien als Laudator auf und redete eine halbe Stunde lang aus dem Stegreif über das Land am Hindukusch und über die Aufgaben sowie Versäumnisse des Westens.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Vermutlich ahnte Mützelburg noch nicht, welches Ansinnen auf ihn zukommen würde. Nachdem der neue amerikanische Präsident Obama in der Person von Richard Holbrooke einen Sonderbeauftragten für die Kriegsregion ernannt hatte, wollten Großbritannien und nun auch Deutschland nicht nachstehen. Außenminister Steinmeier wählte mit Mützelburg einen alten Bekannten aus seiner Zeit als Kanzleramtschef aus. (Siehe: Steinmeier ernennt Mützelburg zum Afghanistan-Beauftragten) Schemenhaft scheint eine neue „Kontaktgruppe“ zu entstehen, die schon einmal - vor 15 Jahren - unter der Regie Holbrookes einen gewaltsamen Konflikt entspannen half: den auf dem Balkan.

          Mit Südasien kam der gebürtige Mainzer, der das Studium der Rechte in seiner Heimatstadt sowie in Marburg und Boston absolvierte, erst spät in Berührung. Seine Laufbahn, die durch eine Phase im Ministerbüro Hans-Dietrich Genschers beschleunigt wurde, verlief nach dem klassischen Generalistenmuster der deutschen Diplomatie: Stationen in Kingston, New York, Nairobi und Tallinn mischten sich mit ebenso verschiedenartigen Verwendungen im Auswärtigen Amt. Erst auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere, den Jahren als außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Schröder (SPD), rückte Afghanistan in das Blickfeld.

          Aus der Rolle, die Berlin bei der Ausrichtung der Petersberger Afghanistan-Konferenz gespielt hat, leitet Mützelburg eine besondere Verpflichtung ab. Weil Schröder Amerikas Bitten um Hilfe im Irak brüsk ablehnte, sah er das Engagement am Hindukusch zudem als unabdingbaren Nachweis deutscher Verantwortungsbereitschaft.

          Mehr noch als in Afghanistan manifestierte sich Mützelburgs Wunsch nach einem weltpolitisch aktiveren Deutschland im Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Berlins wenig erfolgreiches Antichambrieren in dieser Angelegenheit sowie das in den Schröderjahren merklich abgekühlte Verhältnis zu Washington trugen wohl dazu bei, dass der Spitzendiplomat nach dem Regierungswechsel in Berlin nicht an den Sitz der Vereinten Nationen entsandt wurde. Stattdessen wurde es Indien, wo er die Kenntnisse über die Region aus der Nähe vertiefte.

          Dabei musste der inzwischen 65 Jahre alte Botschafter mehr als einmal erfahren, wie gering der politische Einfluss Deutschlands in der Region ist. Aber nicht zuletzt mit seinem unermüdlichen Werben für die Unterstützung des indisch-amerikanischen Nuklearabkommens durch die Bundesregierung sowie mit politischem Gespür und professionellem Auftreten half er, Boden in Indien gutzumachen. Dass Außenminister Steinmeier, der Mützelburg während der gemeinsamen Zeit im Kanzleramt schätzen lernte, dessen Ruhestand nunmehr auf unbekannte Zeit hinausschiebt, ist für niemanden von Schaden.

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