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Früherer Ministerpräsident : Berlusconi wegen Nierenkolik in Krankenhaus behandelt

  • Aktualisiert am

Silvio Berlusconi im März bei einem Fernsehauftritt Bild: dpa

Trotz seines fortgeschrittenen Alters tritt der 82 Jahre alte Politiker für seine Partei Forza Italia bei der Europawahl an. Nun muss er über Nacht im Krankenhaus bleiben. Steht seine Kandidatur damit zur Debatte?

          Mitten im Europawahlkampf ist der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi abermals in einem Krankenhaus behandelt worden. Er sei am Dienstagvormittag mit dem Verdacht auf eine Nierenkolik in der Mailänder Klinik San Raffaele untersucht worden, berichteten italienische Medien unter Berufung auf Berlusconis Partei, Forza Italia.

          Aus deren Kreisen hieß es zunächst, der 82 Jahre alte Politiker wolle wie geplant am Nachmittag an einem Treffen mit den Europawahlkandidaten seiner Partei teilnehmen. Später korrigierte eine enge Vertraute des Politikers, die Senatsabgeordnete Licia Ronzulli, diese Angaben. Berlusconi müsse doch noch über Nacht im Krankenhaus bleiben, sagte sie laut der Zeitung „Repubblica“.

          Sorgen, dass der „Cavaliere“, wie Berlusconi in Italien als früherer Träger des Titels „Ritter der Arbeit“ („Cavaliere del Lavoro“) häufig genannt wird, ernsthafter erkrankt sein könnte, versuchte Ronzulli zu zerstreuen. Er telefoniere und koordiniere den Wahlkampf weiter, sagte sie.

          Der italienische Politiker hatte im Januar angekündigt, sich als Kandidat für die Europawahl aufstellen zu lassen. Als Begründung für seine Entscheidung nannte er sein Verantwortungsbewusstsein. In Europa fehle „eine tieferes Verständnis für die Zukunft der Welt“, sagte der Mailänder Multimillionär.

          In den vergangenen Jahren hatte Berlusconi immer wieder gesundheitliche Probleme. Im Juni 2016 wurde er am Herzen operiert, diesen März wegen eines Leistenbruches.

          Silvio Berlusconi war vier Mal Ministerpräsident Italiens. Seine Amtszeiten waren teilweise von Skandalen geprägt. Im November 2011 musste er abtreten. Er schaltet sich aber weiterhin in die Politik ein und übt derzeit vor allem Kritik an der Regierungskoalition von rechtsnationaler Lega und linkspopulistischen Fünf Sternen.

          Berlusconis Partei Forza Italia kam in der jüngsten Umfrage vom Montag auf 8,8 Prozent und konnte damit im Vergleich zur Vorwoche leicht zulegen. Dennoch liegt sie weit hinter der Lega, mit der sie im vergangenen Jahr in einem Bündnis zur Wahl angetreten ist. Die Partei Matteo Salvinis kommt derzeit auf etwas mehr als 31 Prozent.

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