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Warschauer Aufstand : Berlin braucht ein Denkmal

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Wolken über Warschau: Am 1. August 1944 begann der Aufstand der polnischen „Heimatarmee“ Bild: picture-alliance / Judaica-Samml

Zum 75. Mal jährt sich der Warschauer Aufstand. Was aber wissen wir von den Helden des polnischen Widerstands? Es wird Zeit, der Opfer der deutschen Besatzung Polens öffentlich zu gedenken. Ein Gastbeitrag.

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          Wer kennt nicht die Szene aus „Casablanca“, in der den Nazi-Offizieren, die „Die Wacht am Rhein“ grölen, die Marseillaise entgegengeschmettert wird? Wir wissen vom Mut der französischen Résistance, aber was wissen wir von den Helden des polnischen Widerstands? Wie die Résistance für die Franzosen ist die polnische Heimatarmee – die größte militärische Widerstandsorganisation im besetzten Europa – der Stolz der Polen. Dass es in Polen Antisemitismus gab, Kollaboration und Bereicherung durch Mittäter und Verräter, wissen auch die Polen. Niemand wird mehr verachtet als die „Schmalzowniks“, an der Judenverfolgung beteiligte Schutz- und Schmiergelderpresser.

          Wer in Deutschland aber kennt Jan Karski? Der Diplomat und Offizier der polnischen Heimatarmee lässt sich 1942/43 in ein Sammellager einschleusen und wird Augenzeuge einer Deportation in das Vernichtungslager Belzec. Mit Hilfe jüdischer Widerstandskämpfer gelangt er ins Warschauer Getto, sieht Elend, Hunger und Tod mit eigenen Augen. Doch als er 1943 in den Vereinigten Staaten Präsident Roosevelt persönlich seine Erlebnisse schildert, wird ihm nicht geglaubt.

          Wer kennt den Offizier Witold Pilecki, der freiwillig ins KZ Auschwitz geht, um Widerstand zu organisieren? Bereits 1940 informiert er die westlichen Alliierten über die dort verübten Greueltaten. Nach seiner Flucht nimmt er 1944 am Warschauer Aufstand teil. 1948 wird er durch das von den Sowjets eingesetzte Regime als Spion hingerichtet.

          Zoodirektor Jan Zabinski und seine Frau Antonina verstecken von 1940 an im Warschauer Zoo rund 300 Juden und andere Verfolgte. Sie retten Leben und riskieren ihr eigenes. In Polen hatte, anders als im besetzten Westen Europas, Generalgouverneur Hans Frank allen mit dem Tod gedroht, „die Juden wissentlich Unterschlupf gewähren“.

          Irena Sendler im Warschauer Sozialamt schmuggelt mit Helfern etwa 2500 jüdische Kinder aus dem Getto und bringt sie in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern unter. Sie ist in der Zegota aktiv, dem Untergrund-Komitee für Judenhilfe, und wird 1943 von der Gestapo verhaftet. Auch unter Folter verrät sie die geretteten Kinder nicht.

          Am 1. September 2019 ist der 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und damit des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Das erste Kriegsverbrechen der Wehrmacht ist die willkürliche Zerstörung der Kleinstadt Wielun durch Sturzkampfbomber früh am Morgen des 1. September. Das „polnische Guernica“ charakterisiert den „Polenfeldzug“ von Anfang an als barbarischen Vernichtungskrieg. Im Schatten des Holocaust, des Mords an den europäischen Juden, gerät oft in Vergessenheit, dass fast sechs Millionen polnische Staatsbürger, darunter drei Millionen Juden, in der Schreckenszeit von 1939 bis 1945 den Tod finden. Hunderttausende werden zur Zwangsarbeit verschleppt oder vertrieben, um deutschen Siedlern Platz zu machen. Bis zu 200.000 Kinder werden ihren Eltern genommen und „zwangsgermanisiert“.

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