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US-Bericht zu Corona-Ursprung : Die Laborthese bleibt eine These

  • -Aktualisiert am

Woher kommt das Virus? Corona-Tests in Houston am 13. August Bild: AFP

Die amerikanischen Nachrichtendienste haben Präsident Joe Biden ihren Bericht zum Ursprung des Coronavirus übergeben. Noch ist er als Verschlusssache eingestuft, doch die dringendste Frage scheint weiterhin offen zu bleiben.

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          Das Ergebnis des Geheimdienstberichts ist nicht das Ende der Diskussion über den Ursprung des Coronavirus. Wie die Washington Post berichtet, legte die Nationale Geheimdienstdirektorin Avril Haines Präsident Joe Biden am Dienstag den Bericht vor, den dieser im Mai binnen 90 Tagen angefordert hatte. Obwohl er noch als Verschlusssache eingestuft ist, berichtete die Zeitung, dass es keine eindeutige Antwort auf die Frage gebe, ob das zuerst in China festgestellte Virus auf natürliche Weise durch Tiere auf den Menschen übertragen oder aus einem Labor stamme und bei einem Unfall übertragen wurde.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die Zeitung berief sich auf zwei Regierungsmitarbeiter, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Es habe unter den Angehörigen der Nachrichtendienste, die Haines unterstellt sind, keinen Konsens gegeben. Genau dies war der Anlass der Untersuchung. Im Mai hatte Biden einen Bericht der Dienste erhalten, wonach sich die Suche nach dem Ursprung der Pandemie auf zwei Szenarien fokussiere. Auch angesichts einer hitzigen Debatte im Kongress machte der Präsident seinerzeit öffentlich, dass zwei Dienste zu der These neigten, die Übertragung auf den Menschen gehe auf einen Kontakt mit einem infizierten Tier zurück, wohingegen ein Dienst zu der Ansicht neige, es habe einen Laborunfall mutmaßlich im Institut für Virologie in Wuhan gegeben.

          Bidens Bruch mit der eigenen Linie

          Da die Regierung in Peking seinerzeit deutlich machte, dass sie sich nicht weiter an den Untersuchungen der Weltgesundheitsbehörde WHO beteiligen werde, beauftragte Biden Haines mit dem Bericht. Das war ein Bruch mit seiner bisherigen Linie. Biden hatte die Notwendigkeit einer eigenen Untersuchung bis dahin bestritten. Die WHO, welche die Laborthese zunächst als „extrem unwahrscheinlich“ bezeichnet hatte, sei der richtige Ort dafür. Nun setzte der Präsident auf seine eigenen Nachrichtendienste und verlangte von Peking einen „komplett transparenten Prozess“.

          Diesen hat China aber nicht gewährt. Das Wall Street Journal zitiert einen Regierungsmitarbeiter mit den Worten, zwar sei man tief eingetaucht in die Materie, aber wenn China keinen Zugang zu bestimmten Daten gewähre, werde man den Ursprung des Virus niemals richtig bestimmen können. Geheimdienstdirektorin Haines hatte wohl auch nichts anderes von Peking erwartet. Sie äußerte schon im Juni: Man hoffe die „smoking gun“ zu finden. Es sei aber eine Herausforderung und es könne sein, dass man das Rätsel nicht löse. Teile des nun vorgelegten Berichts könnten der Washington Post zufolge in den kommenden Tagen freigegeben werden. Biden hatte zugesagt, die Dienste würden den Kongress unterrichten.

          Das Wuhaner Institut für Virologie im Februar
          Das Wuhaner Institut für Virologie im Februar : Bild: Reuters

          Damit ist das Thema wieder in der innenpolitischen Arena. Da war das Coronavirus, das manche Republikaner den eigentlichen „running mate“ Bidens im Wahlkampf 2020 nannten, von Anfang an. Zwar hatte der Demokrat China seit Beginn der Pandemie scharf dafür kritisiert, dass es amerikanischen Fachleuten vom „Centers of Disease Control“ keinen Zutritt gewährte, doch hatte er Donald Trumps Gerede vom „China-Virus“ und der „Kung flu“ stets zurückgewiesen. Im Januar dieses Jahres, kurz vor Trumps Auszug aus dem Weißen Haus, hatte Außenminister Mike Pompeo ein Papier veröffentlicht, mit dem dieser die Laborthese zu bekräftigen suchte. In diesem hieß es, die Regierung habe Grund zur Annahme, dass mehrere Forscher des Wuhaner Instituts im Herbst 2019 erkrankt seien und Symptome entwickelt hätten, die Covid-19 und anderen saisonalen Erkrankungen ähnelten.

          Später berichtete das Wall Street Journal, dass die Informationen des Pompeo-Papiers auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen fußten. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um jenen Dienst handelte, der im Mai-Bericht zu der Labor-These neigte. Es wurde aber seinerzeit darauf hingewiesen, dass die Erkenntnisse die These nur mit niedriger bis mittlerer Sicherheit stützten – in China gehen Leute für Routineuntersuchung oder bei harmlosen Erkrankungen ins Krankenhaus. Gleichwohl verlangten nun auch Wissenschaftler eine genaue Untersuchung. In einem Brief, den die Zeitschrift Science im Mai veröffentlichte, forderten 18 Wissenschaftler, der Ursprung des Coronavirus müsse weiter untersucht werden, einschließlich der Labor-Theorie.

          Im Kongress wiederum bezichtigten einige Republikaner nunmehr auf der Grundlage des Pompeo-Papiers nicht nur China der Vertuschung, sondern legten auch nahe, dass Anthony Fauci, Bidens oberster medizinischer Berater, und dessen Nationales Institut für Allergien und Infektionskrankheiten in die Sache verstrickt seien. In einer Anhörung auf dem Kapitolshügel fragte Rand Paul, der libertär-konservative Senator aus Kentucky, Fauci, ob dessen Institut immer noch die „gain-of-function“-Forschung, also die Züchtung von „Super-Viren“ in Wuhan finanziere.

          Fauci wies das von sich: Die „National Institutes of Health“, zu denen sein Institut gehöre, hätten diese Mutationsforschung in Wuhan nie mitfinanziert. Auch der Abgeordnete Michael McCaul, Obmann der Republikaner im Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, ist hartnäckig: Alle Wege führten nach Wuhan. Es handele sich um die „größte Vertuschungsaktion in der Menschheitsgeschichte“, sagt er kürzlich.

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