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Beobachter in Homs : Amerikaner drohen Syrien mit „anderen Mitteln“

Ein Bild von Samstag, dem Tag des Doppelselbstmordanschlags, zeigt Trauernde vor einem Poster von Präsident Assad (links und rechts) - dem früheren syrischen Präsidenten Hafez al Assad und dem libanesischen Hizbullah-Chef Nasrallah (Mitte unten) Bild: AFP

Das amerikanische Außenministerium hat dem syrischen Regime in einer Mitteilung mit weiteren Maßnahmen gedroht, sollte es nicht mit der Friedensmission der Arabischen Liga kooperieren. Am Dienstag hatte die syrische Armee den Beschuss von Zivilisten in Homs vorerst eingestellt.

          Die Vereinigten Staaten haben mit „weiteren Schritten“ gedroht, sollte Syrien der Friedensmission der Arabischen Liga die Zusammenarbeit verweigern. Welche Maßnahmen das genau sind, teilte das amerikanische Außenministerium aber nicht mit. „Wenn das syrische Regime weiter die Anstrengungen der Arabischen Liga missachtet und sich widerspenstig zeigt, wird die Weltgemeinschaft andere Mittel in Erwägung ziehen, um syrische Zivilisten zu schützen.“

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Abermals verurteilte Washington das Blutvergießen auf das Schärfste. „Wir sahen Bilder von wahllosem Beschuss, auch durch Panzer, und haben Berichte über Dutzende Tote, Tausende von Festnahmen und über zusammengeschlagene, friedliche Demonstranten gehört“, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag weiter.

          Die syrische Armee hatte am Dienstag zu Beginn des Besuchs einer Beobachterdelegation der Arabischen Liga in Homs ihre Operationen eingestellt. Vor der Ankunft der aus 12 Personen bestehenden Delegation zogen die Streitkräfte ihre Panzer von den Straßen in militärische Einrichtungen zurück, die für die Beobachter nicht zugänglich sind. Die Delegation unter Führung des früheren sudanesischen Geheimdienstchefs Muhammad al Dabbi sprach in Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, mit dem Gouverneur Ghassan Abdul Al und danach mit einer Gruppe Oppositionellen.

          Sie nahmen die Stadtteile Baba Amr und Inshaat in Augenschein, die besonders stark von der Niederschlagung der Proteste betroffen sind. Als sie sich unangemeldet einem Ort mit Opfern der Gewalt nähern wollten, wurden sie durch einen Schusswechsel an einer Straßenkontrolle daran gehindert.

          Regimekräfte hätten Beobachter behindert

          Die Beobachter bewegten sich ohne Begleiter des Regimes in der Stadt, hätten sich jedoch nicht den wirklich wichtigen Straßen genähert, kritisierte ein Aktivist. Im Internet verbreitete Videos zeigten Einwohner von Baba Amr, die die Beobachter in ihre Straßen mitnehmen wollten, etwa um ihnen Heckenschützen des Regimes auf den Dächern zu zeigen. Einige Bewohner erklärten, Leute des Regimes hätten sie daran gehindert, mit den Beobachtern zu sprechen.

          Der regimenahe Fernsehsender Dunya TV berichtete, die Delegation habe sich ein Bild von den Schäden gemacht, die von den Terroristen angerichtet worden seien. Ferner habe sie im Stadtteil Bab Sebaa Gespräche mit den Familien von Entführten und Opfern der Terroristen geführt. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, am Dienstag hätten Terroristen in der Provinz Homs einen Sabotageakt gegen eine Gasleitung verübt, die in der Provinz Hama ein Kraftwerk mit Erdgas beliefert.

          Während des Besuchs fanden in Homs Demonstrationen für und gegen das Regime statt. Nachdem die Delegation, die sich aus Beobachtern aus Sudan, Ägypten, Algerien und Mauretanien zusammensetzt, in Homs ihre Arbeit beendet hatte, seien Sicherheitskräfte mit scharfer Munition und Tränengas gegen Regimegegner vorgegangen, berichtete der Sender Al Arabija.

          Oppositionelle gaben die Zahl der Demonstranten, die sich dem zentralen Platz in Homs nähern wollten, mit 70.000 an. Am Montag waren 60 Beobachter in Syrien eingetroffen. Nur wenige ihrer Namen sind veröffentlicht worden. Sie sind in Gruppen von jeweils etwa zehn Personen unterwegs. Die Gruppe für Homs werde am Mittwoch die gleichnamige Provinz in Augenschein nehmen, berichtete Dunya TV. Andere Gruppen sind seit Dienstag in den Provinzen Hama, Daraa und Idlib unterwegs. Der Sprecher des Außenministeriums, Dschihad Maqdisi, sagte, die Gruppen hätten die Freiheit, dorthin zu reisen, wohin sie wollten. Demgegenüber sagte Burhan Ghalioun, der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Beobachter in Homs hätten sich beklagt, dass das Regime ihnen den Zugang an einige Orte, die sie sehen wollten, nicht ermöglicht habe.

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