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Nach Raketenbeschuss aus Gaza : Netanjahu verkürzt seinen Amerika-Besuch

  • Aktualisiert am

Israels Ministerpräsident Netanjahu will angesichts des Angriffs aus Gaza seine Reise in die Vereinigten Staaten abbrechen (Archiv). Bild: dpa

Wegen eines Raketenangriffs auf eine israelische Kleinstadt will Ministerpräsident Netanjahu seine Amerika-Reise verkürzen. Die Reaktion des israelischen Militärs auf den Angriff kam prompt: Weitere Truppen wurden in die Grenzregion verlegt.

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          Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will angesichts des Raketenangriffs auf eine israelische Kleinstadt seinen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten verkürzen. „Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel“, sagte er am Montag nach Angaben seines Büros und kündigte eine „kraftvolle“ Reaktion an. Er wolle direkt nach einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zurückreisen, „um unsere Aktionen aus der Nähe zu leiten“. Eine geplante Rede bei der proisraelischen Lobbygruppe Aipac sagte er ab.

          In Israel sind am Montag sieben Menschen verletzt worden, als ein Haus rund 30 Kilometer nördlich von Tel Aviv von einer Rakete getroffen wurde. Unter den Verletzten in der Ortschaft Mischmeret sind nach Angaben von Sanitätern auch drei Kinder – ein Baby, ein drei Jahre altes Kleinkind und eine Zwölfjährige. Eine 60 und eine 30 Jahre alte Frau seien unter anderem durch Raketensplitter verletzt worden. Zudem würden einige Menschen wegen Schocks behandelt. Das Haus wurde der Polizei zufolge schwer beschädigt und ging in Flammen auf. Die Beamten sperrten das Gebiet ab.

          Als Reaktion auf den Angriff verlegt Israel weitere Truppen in die Nähe des Palästinensergebiets am Mittelmeer. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte am Montag, man wolle zwei Brigaden entsenden, Infanterie und Panzer. Außerdem solle eine begrenzte Zahl an Reservisten in verschiedenen Einheiten für spezifische Aufgaben einberufen werden.

          Die Bundesregierung verurteilte den Raketenangriff scharf. Es sei eine besorgniserregende Entwicklung, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Montag. Es bestehe „das Risiko einer immer schwerer zu kontrollierenden Situation“. Es sei essenziell, dass nun von allen Seiten Zurückhaltung geübt werde und die Gewalt ende, sagte der Sprecher weiter.

          Hamas offenbar verantwortlich

          Das israelische Militär macht die im Gazastreifen herrschende Terrororganisation Hamas für den Raketenangriff verantwortlich. Die israelische Armeesprecherin sagte weiter, es handele sich um eine von der im Gazastreifen herrschenden Hamas selbst hergestellte Rakete mit einer Reichweite von 120 Kilometern. „Wir sehen die Hamas verantwortlich für alles, was im Gazastreifen passiert ist“, sagte sie.

          In der israelischen Gemeinschaftssiedlung habe es kurz vor dem Einschlag Raketenalarm gegeben. Israel ordnete nach dem Raketenangriff die Schließung der Grenzübergänge in den Gazastreifen und die Einschränkung der Fischereizone vor der Küste an.

          Militante Palästinenser feuern häufig Raketen auf das Grenzgebiet um den Gazastreifen ab. Es ist jedoch ungewöhnlich, dass ein Geschoss so weit entfernt von dem Küstenstreifen einschlägt. Mischmeret ist gut 100 Kilometer von dem Palästinensergebiet entfernt.

          Eskalation im Nahost-Konflikt?

          Nach zunehmenden Spannungen zwischen beiden Seiten in den vergangenen Wochen droht nun eine neue Eskalation im Nahost-Konflikt. Für weiteren Zündstoff dürfte das Vorhaben Trumps sorgen, die Zugehörigkeit der annektierten Golanhöhen zu Israel anzuerkennen. Israelischen Regierungsangaben zufolge will Trump am Montag im Beisein Netanjahus ein entsprechendes Dekret unterzeichnen.

          Der überraschende Angriff erfolgte mitten im israelischen Wahlkampf, zwei Wochen vor der Parlamentswahl. Die Partei „Die Neue Rechte“ teilte nach dem Raketenangriff mit: „Man muss ehrlich sagen: Netanjahu ist gegenüber der Hamas gescheitert. Die Freilassung von Terroristen, die Angst davor, die Häuser von Terroristen zu zerstören, die Beschwichtigungspolitik gegenüber den Raketenangriffen im Süden – all dies hat dazu geführt, dass die Hamas keine Angst mehr vor Israel hat.“

          Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv seit dem Gaza-Krieg 2014 gegeben. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert. Damals hieß es, die beiden Geschosse seien versehentlich aus dem Gazastreifen abgefeuert worden.

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