https://www.faz.net/-gpf-9daw0

Gedenken an München-Attentäter : Netanjahu attackiert Labour-Chef Corbyn

  • Aktualisiert am

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, nimmt am wöchentlichen Kabinettstreffen in seinem Büro teil. Bild: dpa

Seit Monaten kämpft die britische Labour-Partei mit Antisemitismus-Vorwürfen. Jetzt greift Israels Ministerpräsident Parteichef Corbyn an – weil der an einer Gedenkveranstaltung für die Terroristen des Olympia-Attentats 1972 teilgenommen hat.

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn für ein Gedenken an die palästinensischen Terroristen des Münchner Olympia-Attentats kritisiert. Corbyn hatte zuvor nach Medienberichten die Teilnahme an einer entsprechenden Gedenkveranstaltung 2014 bestätigt. „Die Niederlegung eines Kranzes durch Jeremy Corbyn auf die Gräber der Terroristen, die das München-Massaker verübt haben (...), verdient eine eindeutige Verurteilung von jedem – links, rechts und alles dazwischen“, schrieb Netanjahu am Montagabend auf Twitter.

          Beim Olympia-Attentat hatte die palästinensische Terrororganisation „Schwarzer September“ 1972 im Olympischen Dorf in München Sportler als Geiseln genommen, um Gefangene in Israel freizupressen. In einem Apartment und bei einer anschließenden Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck starben elf israelische Sportler und ein Polizist. Auch fünf Terroristen kamen ums Leben.

          Labour in der Kritik

          Am Samstag hatte die britische Zeitung „Daily Mail“ Fotos veröffentlicht, die Corbyn zeigen, wie er an den Gräbern von vier Palästinensern einen Kranz in den Händen hält, berichtete Bloomberg am Montag. Die Palästinenser sollen demnach mit der Terrororganisation „Schwarzer September“ in Verbindung gestanden haben.

          Wie Bloomberg weiter berichtete, habe die Labour-Partei zunächst angegeben, bei der Veranstaltung sei jener Palästinenser gedacht worden, die bei der israelischen Bombardierung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) 1985 getötet worden seien. Corbyn habe am Montag aber eingestanden, dass in dem Rahmen auch anderer Personen gedacht worden sein.

          In einem Interview mit dem Fernsehsender „Sky News“ sagte Corbyn, er sei bei der Kranzniederlegung anwesend gewesen. „Ich denke nicht, dass ich wirklich involviert gewesen bin.“ Er sei dort gewesen, weil „ich ein passendes Denkmal sehen wollte, für jeden, der bei einem terroristischen Vorfall gestorben ist (...)“. Es sei nicht möglich, Frieden durch einen Kreislauf der Gewalt zu erreichen, nur durch Dialog.

          Corbyn reagierte am Montagabend auf den Tweet von Netanjahu. Die vom israelischen Ministerpräsidenten vorgebrachten Anschuldigen seien falsch. Was allerdings einer „eindeutigen Verurteilung“ bedürfe, sei die Tötung von 160 palästinensischen Demonstranten, unter ihnen viele Kinder, in Gaza durch israelisches Militär.

          Der britische Oppositionschef hat in der Vergangenheit wiederholt Maßnahmen Israels gegen Palästinenser angeprangert. Ende Juni schrieb Corbyn auf Twitter, dass eine Labour-Regierung Palästina als Staat anerkennen werde. Dies sei ein Schritt zu einer wirklichen Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt.

          Corbyn hatte sich kürzlich nach massivem Druck öffentlich für Antisemitismus in seiner Labour-Partei entschuldigt. Ihm wird seit Längerem vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen antisemitische Tendenzen in den eigenen Reihen vorzugehen.

          Weitere Themen

          „Open Arms“ soll doch in Lampedusa anlegen

          Rettungsschiff : „Open Arms“ soll doch in Lampedusa anlegen

          Abermals versuchten Migranten des Rettungsschiffs „Open Arms“ nach Italien zu schwimmen. Die Staatsanwaltschaft ordnete deswegen ein Anlegen auf Lampedusa an – und leitete ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch gegen Salvini ein.

          Topmeldungen

          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.