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Kurz vor den Kommunalwahlen : Macrons Bürgermeisterkandidat stürzt über Sex-Video

Benjamin Griveaux galt als einer der Architekten des Wahlerfolges von Macron im Jahr 2017. Nun zwingt ihn das Sex-Video zum politischen Rückzug. Bild: AP

Ein russischer Aktivist hat Aufnahmen veröffentlicht, die Benjamin Griveaux zum Rücktritt von seiner Kandidatur um das Bürgermeisteramt von Paris zwingen. Das könnte nun auch Präsident Emmanuel Macron belasten.

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          Er war der Kandidat von Emmanuel Macron für das Pariser Bürgermeisteramt, doch jetzt schmeißt er hin: Benjamin Griveaux hat etwa einen Monat vor den Kommunalwahlen seine Bewerbung zurückgezogen. „Seit mehr als einem Jahr sind meine Familie und ich verleumderischen Aussagen, Lügen, Gerüchten, anonymen Angriffen (...) und Morddrohungen ausgesetzt“,sagte er am Freitag dem französischen Fernsehsender BFMTV. Er trete von der Kandidatur zurück, um seine Familie zu schützen. Letzter Auslöser war die Veröffentlichung eines Videos mit sexuellen Inhalten. Bei den intimen Aufnahmen, die auch Textbotschaften enthalten, könnte es sich um eine außereheliche Beziehung handeln. Der 42 Jahre alte Griveaux ist mit einer Anwältin verheiratet und hat zwei Kinder.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Veröffentlichung der Videos mit sexuellem Charakter hat am Freitag sofort eine heftige politische Diskussion ausgelöst. Beklagt wurde unter anderem eine Art „Amerikanisierung“ des politischen Lebens, bei der das Privatleben der Politiker strengen Moralvorstellungen unterzogen werde. Besonders umstritten ist indes die Quelle der Veröffentlichung. Der Russe Pjotr Pawlenski bekannte sich dazu. Er bezeichnet sich als Künstler und politischer Aktivist. Befragt von verschiedenen französischen Medien warf er am Freitag Griveaux Lügen und Scheinheiligkeit vor, weil dieser im Wahlkampf sein Familienleben in den Vordergrund gestellt habe. Pawlenski hat mit einigen spektakulären Aktionen in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht. Er bekam in Frankreich Asyl, nachdem er einen Brand vor dem Gebäude des russischen Inlandsgeheimdiensts gelegt hatte. Doch auch in Frankreich saß er ein Jahr in Haft, weil er am Eingang der Banque de France Feuer gelegt hatte.

          Griveaux war einst Staatssekretär und Sprecher der Regierung von Premierminister Edouard Philippe. Das ehemalige Mitglied der Sozialistischen Partei gilt als einer der Architekten des Wahlerfolges von Macron im Jahr 2017. Vor einem knappen Jahr verließ er die Regierung, um sich im Pariser Wahlkampf zu engagieren. Dabei hatte er die Unterstützung Macrons. Ein anderer Kandidat um das Bürgermeisteramt, der bekannte Mathematiker Cédric Villani, ist dagegen von Macrons Regierungspartei LREM im Januar dieses Jahres ausgeschlossen worden, weil er ohne Einverständnis von Macron und der Parteiführung gegen Griveaux antrat. Der jetzte Rücktritt gilt somit als auch Belastung für Macron, der das Pariser Bürgermeisteramt immer als strategisch wichtigen Posten ansah. Heute ist die Sozialistin Anne Hidalgo Bürgermeisterin, und sie liegt in den Umfragen auch vorne. Griveaux, der aussichtsreich begonnen hatte, lag zuletzt auf dem dritten Rang.

          Pawlenski lebt nach eigenen Angaben heute in Paris. Daher sei es ihm wichtig, dass die Politiker die Wahrheit sagten, erklärte er. Er veröffentlichte die Videos auf einer Internetseite, die er gerade erst freigeschaltet hat. Nach französischem Recht droht ihm nun erneut eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren, weil er ohne Einverständnis der betroffenen Person Aufnahmen sexuellen Charakters veröffentlicht hat.

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