https://www.faz.net/-gpf-9z38t

Benedikt XVI. : „Man will meine Stimme ausschalten“

  • Aktualisiert am

Sieht sich als Opfer einer „bösartigen Verzerrung der Wirklichkeit“: der emeritierte Papst Benedikt XVI. Bild: dpa

In einer jetzt erschienenen Biografie beklagt Benedikt XVI. „Stimmungsmache“ gegen sich. Die Wirklichkeit werde „bösartig verzerrt“, kritisiert der emeritierte Papst.

          2 Min.

          Der emeritierte Papst Benedikt XVI. sieht sich als Opfer einer „bösartigen Verzerrung der Wirklichkeit“. „Der Spektakel an Reaktionen, der hernach von der deutschen Theologie kam, ist so töricht und so bösartig, dass man lieber nicht davon spricht. Die eigentlichen Gründe dafür, dass man einfach meine Stimme ausschalten will, möchte ich nicht analysieren“, sagt er in der neuen Biografie „Benedikt XVI.- Ein Leben“ mit Blick auf Reaktionen auf seinen Beitrag über das Verhältnis von Christentum und Judentum für die theologische Zeitschrift „Communio“ im Jahr 2018.

          Die Biografie von Autor Peter Seewald kam am Montag auf den Markt. Kritiker werfen Benedikt, der von 2005 bis 2013 Papst war, vor, sich seit seinem Rücktritt wie eine Art „Schattenpapst“ zu verhalten. Besonders laut wurde diese Kritik, als im vergangenen Jahr ein Beitrag von ihm in einem Buch von Kardinal Robert Sarah über den Zölibat erschien. Zu den Kritikern gehört auch die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“. „Angesichts seiner äußerst zahlreichen Veröffentlichungen vor, während und auch nach seiner Amtszeit als Papst kann doch davon, dass man die Stimme Joseph Ratzingers ausschalten wolle, keine Rede sein“, sagte ihr Sprecher Christian Weisner am Montag. „Viele irritiert jedoch, und ich denke zu Recht, dass er trotz der damaligen Ankündigung, ,verborgen vor der Welt zu leben', sich auch nach seinem Rücktritt immer wieder zu aktuellen Debatten zu Wort meldete.“ Dabei sei allerdings schwer zu beurteilen, „ob dies alles nun noch sein eigener Wille ist oder ob er von ihm nahe stehenden Personen instrumentalisiert wird“.

          Der frühere Kardinal Ratzinger betont in der neuen Biografie: „Die Behauptung, dass ich mich regelmäßig in öffentliche Debatten einmische, ist eine bösartige Verzerrung der Wirklichkeit.“ Der heute 93 Jahre alte Papst Benedikt hat nach eigenen Angaben eine sehr gute Beziehung zu seinem Nachfolger Franziskus. „Wie Sie wissen, ist die persönliche Freundschaft mit Papst Franziskus nicht nur geblieben, sondern gewachsen.“

          Kritik äußerte ,Wir sind Kirche' auch daran, dass Ratzinger in der Biografie einen Zusammenhang zwischen dem Antichristen und der Homo-Ehe herstellt. „Wenn Joseph Ratzinger jetzt eine antichristliche gesellschaftliche Exkommunikation derjenigen sieht, die sich beispielsweise gegen Homosexualität und Abtreibung positionieren, so mag das seine Wahrnehmung sein“, sagte Weisner. „In der Realität ist dagegen doch ein zunehmend militanter und sich christlich nennender Fundamentalismus in evangelikalen wie auch katholischen Kreisen auf Weltebene festzustellen.“

          Der emeritierte Papst äußert sich in dem Buch so: „Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen. Heute ist gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstellt. Ähnliches gilt bei Abtreibung und für die Herstellung von Menschen im Labor.“ Die moderne Gesellschaft sei dabei, „ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich.“ Nach Ansicht Ratzingers liegt „die eigentliche Bedrohung der Kirche“ in einer „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien“.

          Weitere Themen

          Lindner: Laschet nicht mit den Grünen allein  lassen

          Bundesparteitag der FDP : Lindner: Laschet nicht mit den Grünen allein lassen

          Die FDP müsse bei der Bundestagswahl „so stark zweistellig werden, dass Deutschland weiter aus der Mitte regiert werden kann“, sagt der Parteivorsitzende. Im Wahlkampf sollen Bildungsfragen neben Wirtschaft und Finanzen eine zentrale Rolle spielen.

          „Keine Steuererhöhungen mit der FDP“ Video-Seite öffnen

          Lindner : „Keine Steuererhöhungen mit der FDP“

          FDP-Chef Christian Lindnder hat im Falle einer Regierungsbeteiligung seiner Partei Steuererhöhungen ausgeschlossen. Das werde es mit der FDP nicht geben, sagte er auf dem Digital-Parteitag der Liberalen.

          Topmeldungen

          Traum oder Alptraum: das Eigenheim

          Die fünf größten Fehler : Wenn der Hausbau zum Fiasko wird

          Auf dem Weg in die eigenen vier Wände lauern zahlreiche Gefahren. Welche die fünf häufigsten Fehler sind, die beim Hausbau passieren – und wie sie sich vermeiden lassen.
          Schnitt des Unheils: Ein Gärtner am 11. August 2017 im Rosengarten vor dem Weißen Haus.

          Rosengarten vor Oval Office : Gebrochenes Versprechen

          Wenn Gartengestaltung zum Politikum wird: Eine Petition in den Vereinigten Staaten fordert, die Umgestaltung des Rosengartens vor dem Oval Office durch Melania Trump rückgängig zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.