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Benedikt XVI. in Jordanien : Papst fordert Schutz der Christen im Irak

  • Aktualisiert am

Islam und Christentum, im Schaufenster vereint Bild: AFP

Papst Benedikt XVI. hat in Jordanien Missverständnisse zwischen den Religionen bedauert. Was es an Spannungen zwischen Juden, Christen und Muslimen gegeben habe, könne nicht geleugnet werden, sagte er an der Grabesmoschee des Königs Hussein. Für Christen im Irak forderte er stärkere Schutzmaßnahmen.

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          Papst Benedikt XVI. hat am zweiten Tag seiner Nahostreise eindringlich zu verstärkten Dialogbemühungen zwischen Juden und Christen aufgerufen. Bei einem Besuch der Moses-Gedächtniskirche auf dem Berg Nebo in Jordanien beschwor er die Notwendigkeit, „alle Hindernisse auf dem Weg zur Versöhnung zwischen Christen und Juden zu überwinden“. Beide Religionsgemeinschaften forderte er zu „Zusammenarbeit im Dienst am Frieden“ auf, „zu dem Gott uns ruft“.

          Der Berg Nebo gehört zu den wichtigsten Pilgerorten in Jordanien. Dort soll Moses begraben worden sein, nachdem er von dort aus das Gelobte Land gesehen hatte. Die Pilgertradition an Orte wie diesen erinnere Christen an das „untrennbare Band, das die Kirche mit dem jüdischen Volk verbindet“, sagte der Papst unter Anspielung auf den auch von Juden verehrten Moses. Das Alte Testament gehört für beide Religionen zu den Heiligen Schriften.

          Papst: Bildung gegen ethnische und religiöse Spannungen

          Papst Benedikt XVI. segnete außerdem in Madaba den Grundstein der ersten katholischen Universität in Jordanien. Dabei bezeichnete er Bildung als Gegengift gegen die Spannungen zwischen religiösen und ethnischen Gruppen in Nahost. Mehr Schulen und Universitäten seien ein „Sprungbrett für persönliche Entwicklung, Frieden und Fortschritt in der Region“, sagte Benedikt XVI. Am Sitz der künftigen Hochschule in Madaba in der Nähe von Amman würdigte er insbesondere die Bemühungen der jordanischen Königin Rania um den Ausbau des Bildungssystems in ihrem Land. Jordanien habe die Verbesserung der Bildungschancen für die Bevölkerung zurecht zu einem Hauptanliegen gemacht. Gleichzeitig erinnerte er an katholische Schulen in Jordanien, die von zahlreichen Muslime besucht würden.

          Vatikan- und Jordanienwimpel abwechselnd in den Straßen von Madaba

          „Derartige Initiativen führen zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis, und sie stärken einen wachsenden Respekt sowohl für das, was uns verbindet, als für das, was wir unterschiedlich verstehen“, sagte der Papst. Muslime und Christen müssten gerade aufgrund der Last der gemeinsamen Geschichte, die so oft von Missverständnissen gekennzeichnet gewesen sei, heute danach trachten, aus ihrem Glauben heraus Zeugnis für all das zu geben, was gerecht und wahr sei. Dabei müssten sie stets des gemeinsamen Ursprungs und der gemeinsamen Würde aller Menschen eingedenk sein.

          „Religion nicht Grund der Spaltung in der Welt“

          Der Papst wandte sich entschieden gegen die Auffassung, dass Religion notwendig ein Grund für Spaltung in der Welt sei. Spannung und Trennung unter den Gläubigen unterschiedlicher Religionen könnten nicht negiert werden. Allerdings sei die ideologische Manipulation der Religion oft auch zu politischen Zielen der Katalysator für derartige Spannung und manchmal auch für Gewalt.

          Benedikt XVI. mahnte abermals ein angemessenes Verhältnis von Glauben und Vernunft an. Dies enge die Erkenntnis nicht ein, sondern weite den Horizont. Eine solche Haltung bewahre die Gesellschaft vor den Exzessen eines ungezügelten Egoismus, der die Endlichkeit verabsolutiere und das Unendliche zu ausblende.

          „Recht der Christen auf friedliche Koexistenz“

          Die internationale Staatengemeinschaft rief Benedikt XVI. zum Schutz der christlichen Minderheit im Irak auf. Politische und religiöse Führer müssten alles tun, um der angestammten christlichen Gemeinschaft das „grundlegende Recht auf friedliche Koexistenz mit ihren Mitbürgern“ zu garantieren, sagte das Kirchenoberhaupt vor dem diplomatischen Korps und hohen Repräsentanten des Islams in Amman. Eigens begrüßte er den irakischen Patriarchen von Bagdad, Emmanuel III. Delly.

          Der Papst dankte dem jordanischen Staat in diesem Zusammenhang für die Aufnahme irakischer Flüchtlinge. Die Anstrengungen der Weltgemeinschaft und der Regierungen in der Region für Frieden und Versöhnung müssten weitergehen, mahnte Benedikt XVI. Am Sonntag sollen an einer großen Messe im Stadion von Amman auch katholische Flüchtlinge aus dem Irak teilnehmen. Vierzig irakische Kinder sollen dabei aus der Hand des Papstes die Erstkommunion empfangen.

          Lombardi: „Erste positive Bilanz“

          Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zog unterdessen eine erste positive Bilanz. Der Besuch habe auf hervorragende Weise begonnen, sagte Lombardi am Samstag in Amman. Benedikt XVI. sei sehr zufrieden. Die katholische Kirche sei in der jordanischen Gesellschaft gut verwurzelt, wie der Besuch des Papstes in der Sozialstation „Regina Pacis“ am ersten Tag der Reise gezeigt habe. Besonders hob Lombardi den zweiten Besuch Benedikt XVI. in einer Moschee vom Samstagvormittag und die anschließende Rede vor muslimischen Religionsführern hervor.

          Vor der Rede im Innenhof der König-Hussein-Moschee habe der Papst auch den Gebetsraum besucht. Er habe sich in Begleitung von Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal, einem religiösen Berater des jordanischen Königs Abdullah II., von einem Architekten über den Bau berichtet lassen. Lombardi stellte klar, dass der Papst nicht in der Moschee gebetet habe. Aber er habe in Sammlung und Respekt für die islamische Gebetsstätte meditiert. Da der Rundgang im Gebetsraum mit Teppichen und Läufern ausgelegt war, habe sich Benedikt XVI. nicht die Schuhe ausziehen müssen, „obwohl er dazu bereit war“, erläuterte Lombardi.

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