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Benedikt XVI. in Bethlehem : Papst unterstützt Rechte der Palästinenser

  • Aktualisiert am

In der Geburtsstadt Jesu: Benedikt XVI. am Mittwoch Bild: dpa

Beim Besuch in Bethlehem spricht sich der Papst für einen souveränen Palästinenserstaat aus. Besonders den palästinensischen Flüchtlingen versichert er seine Solidarität - doch aus dem Gazastreifen ließ Israel nur 48 Christen einreisen.

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          Papst Benedikt hat am Mittwoch bei seinem Besuch in Bethlehem mit deutlichen Worten zur politischen Lage im Nahen Osten Stellung genommen. Der Heilige Stuhl unterstütze das Recht der Palästinenser auf einen souveränen Staat, sagte er während des Empfangs durch den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas.

          Dieser Staat solle in Sicherheit und Frieden mit seinen Nachbarn innerhalb international akzeptierter Grenzen entstehen. Es gelte, die „Flamme der Hoffnung“ zu nähren, „dass ein Weg gefunden werden kann, die legitimen Ansprüche beider Seiten zu erfüllen, der Israelis und der Palästinenser“.

          Dem Gazastreifen verbunden

          Besonders den palästinensischen Flüchtlingen versicherte er seine Solidarität. Am Nachmittag will er deshalb auch das Flüchtlingslager Aida in Bethlehem besuchen. Ohne Israel unmittelbar dafür verantwortlich zu machen, kritisierte er die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, unter denen die Palästinenser zu leiden haben.

          Der Papst trifft Palästinenserpräsident Abbas

          „Palästinenser haben wie alle anderen Menschen das naturgegebene Recht zu heiraten, Familien zu haben, Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung“, stellte er klar.

          Abbas sprach sich in seiner Begrüßung ebenfalls für eine Zwei-Staaten-Lösung und eine friedliche Koexistenz mit Israel aus. Jerusalem als „ewige Hauptstadt Palästinas“ müsse die Hauptstadt für beide Staaten sein. Nachdrücklich verlangte er die Umsetzung der UN-Resolutionen zum Nahost-Konflikt, besonders jene über ein Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge.

          Ein gerechtes und friedliches Zusammenleben könne nur „durch einen Geist der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts“ erreicht werden, sagte der Papst. Alle Parteien müssten ihre Ressentiments überwinden. Zugleich mahnte er die internationale Staatengemeinschaft zur Verantwortung für eine Friedenslösung.

          In seiner Predigt auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche wandte sich Benedikt an die Menschen im Gazastreifen, denen er sich besonders verbunden fühle: Er bete dafür, dass die Abriegelung des Gazastreifens bald ende und der Wiederaufbau endlich beginnen könne.

          Benedikt XVI. ermutigte die Christen, trotz aller Widrigkeiten im Heiligen Land zu bleiben. Sie sollten eine Brücke des Dialogs und der Zusammenarbeit beim Aufbau einer Kultur des Friedens sein. Nur so könne es einen Weg aus der „gegenwärtig festgefahrenen Lage von Furcht und Aggression“ geben. Christen müssten Zeugen der Liebe Gottes über Hass, Selbstsucht, Furcht und Groll sein. Allerdings hatten nur 48 Christen von Israel die Erlaubnis erhalten, an der Messe in Bethlehem teilzunehmen.

          Besuch im Flüchtlingslager

          Bevor er am Nachmittag in das Flüchtlingslager Aida fährt, besucht Benedikt das Kinder-Krankenhaus der Caritas. Die auch aus Deutschland unterstützte Klinik war 1978 von dem Schweizer Pater Ernst Schnydrig gegründet worden und versorgt jährlich etwa 30.000 Kinder unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Der Vorsitzende des Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, empfängt den Papst in der Klinik.

          Im Flüchtlingslager Aida leben etwa 5000 der rund 1,3 Millionen Flüchtlinge in den Palästinensergebieten. Das Lager liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der israelischen Sperranlage, die dort eine mehrere Meter hohe Mauer ist.

          Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, bezeichnete die israelische Sperrmauer als eine Ursache für die Abwanderung palästinensischer Christen: „Solange die politische Instabilität andauert, der Bau der Mauer, die Bethlehem von Jerusalem und vom Rest der Welt trennt, können wir keinen Frieden für unser Land finden.“ Die palästinensische Kirche brauche die Unterstützung des Papstes.

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