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Benedikt in Nazareth : Kindheit im Höhlenhaus

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Erinnerungen an Jesus: Nazareth Bild: AP

Auf seiner Pilgerfahrt durch das Heilige Land besucht der Papst heute Nazareth. In einem Höhlenhaus soll Jesus hier seine Kindheit verbracht haben. Zehntausende Christen werden erwartet.

          2 Min.

          Auf seiner Pilgerfahrt durch das Heilige Land wird der Papst an diesem Donnerstag in Nazareth erwartet. Der Ort liegt am Nordrand der fruchtbaren Jesreelebene, der Kornkammer des Landes, und der historischen Trasse vieler Kriegszüge. Er gilt als die arabische Hauptstadt in Galiläa.

          Eng um den arabischen Kern im Kessel schmiegt sich die israelische Stadt „Nazareth Illit“ auf den Höhen. Sie macht eine Ausdehnung des nach seiner Verwaltung unabhängigen arabischen „Unter-Nazareth“ fast unmöglich. Wenn so die Demographen letzthin einen Schwund der christlichen Bevölkerung in Nazareth feststellen, dann hängt das damit zusammen, dass vor allem die wohlhabende Bevölkerung den Kessel verlässt und in die israelische Stadt hochzieht.

          Kindheit im Höhlenhaus

          In Nazareth verkündete nach der christlichen Tradition Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria, sie habe Gnade vor Gott gefunden und werde ein Kind gebären, dem sie den Namen Jesus geben solle (Lukas 1,26ff). In einem der von franziskanischen Archäologen gesicherten Höhlenhäuser soll Jesus - nach seiner Geburt in Bethlehem - die Kindheit im Hause seines Vaters, eines Tischlers und Bauunternehmers, verbracht haben.

          Der Papst kommt: Straßenszene in Nazareth

          In dieser Stadt kam es auch zum ersten Konflikt, als seine Messiaskraft in der Synagoge nicht anerkannt wurde. Die Zuhörer seiner Predigt nahmen „Anstoß“ an ihm (Markus 6,1ff). Ein Prophet gelte nichts in seiner Vaterstadt, murrte Jesus darauf und prägte so eine bis heute oft gesprochene Formel.

          Dabei verbirgt sich schon im Stadtnamen Nazareth das hebräische „nezer“ wie „sprießen“ und erinnert an das Bibelwort bei Jesaia, wonach ein Zweig aus den Wurzeln des Hauses David sprießen werde (nach Jesaja 11,1). Die „Nezerener“ sahen sich stolz dem Hause David zugehörig. Sie mussten sich auch in Davids Stadt Bethlehem „zählen“ lassen. Dort gebar Maria Jesus; aber den Messias in ihren Reihen erkannten sie nicht.

          Ein vornehmlich jüdischer Ort

          Sie stießen ihn vielmehr zur Stadt heraus und wollten ihn von einem Felsen stürzen. „Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging hinweg“ (Lukas 4,28). An dieser Klippe des Abgrunds, dem hebräischen Har Kedumim, wo Archäologen eine Höhle der Neandertaler-Urbevölkerung sichern konnten, will der Papst an diesem Donnerstag eine Predigt halten.

          Noch als Bethlehem und Jerusalem schon weitgehend christianisiert waren, blieb Nazareth ein vornehmlich jüdischer Ort. Erst zu Beginn des fünften Jahrhunderts entstand dort eine byzantinische Basilika an der Stelle, an der nach der Tradition Gabriel der Maria erschienen sein soll. Der Papst will die Reste jenes Ursprungsbaus in der „Verkündigungsgrotte“ besuchen, die Kreuzfahrerreste sehen. Später will er in der „Oberkirche“ die Vesper feiern, einem modernen Bau des italienischen Architekten Giovanni Muzio, errichtet zwischen 1960 und 1969, der die archäologischen Funde aufnimmt und in sich birgt.

          Die griechisch-orthodoxen Mehrheitschristen der Stadt erinnern der Verkündigung an einem Brunnen in der nahen „Gabrielskirche“, einer zehn Meter unter dem Straßenniveau liegenden Höhlenkapelle. Der Ort wirkt authentischer, ist aber genauso wenig historisch belegbar. Nach der westchristlichen Bibeltradition erschien Gabriel der Maria in ihrem Haus. Dem Protoevangelium des Jakobus nach geschah das hingegen an diesem Brunnen, an diesem Ort der Fruchtbarkeit.

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