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Kolonial-Debatte in Belgien : Den König vom Sockel geholt

Besprühte Statue des belgischen Königs Leopold II. im Park des Afrika-Museums in Tervuren Bild: EPA

Die Anti-Rassimus-Proteste haben in Belgien eine Debatte über die blutige Kolonialgeschichte des Landes in Kongo ausgelöst. Der damalige König Leopold II. ist für viele zur Hassfigur geworden.

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          „Patria Memor“ steht auf dem Sockel, das Vaterland erinnert. Darüber thront Leopold II. hoch zu Ross, die Zügel in einer Hand, den Blick in die Ferne gerichtet. Streng und entschlossen sieht der zweite belgische König aus, der den Thron 1865 bestieg und 44 Jahre regierte. Für Belgien war es die beste Zeit. Das Land stieg zu großem Wohlstand auf, die Hauptstadt Brüssel wurde zu einer modernen Metropole. All das wäre ohne diesen Mann nicht möglich gewesen. Als „Baumeister“ wurde er verehrt. Das mächtige Bronze-Denkmal vor dem königlichen Palast in Brüssel erinnert daran.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Doch nun soll es verschwinden. Achtzigtausend Menschen haben eine Petition auf der Plattform Change.org unterschrieben. Sie fordern die Stadt Brüssel auf, alle Denkmäler dieses Königs zu entfernen, angefangen mit jenem auf der Place du Trône. Leopold II. sei „für einige ein Held, aber eben auch ein Henker für ein großes Volk“, heißt es zur Begründung. Während seiner Herrschaft über den Kongo habe er „zehn Millionen“ Menschen umgebracht, nur um das Land zu seinem Vorteil ausbeuten zu können. Die Petition wurde gestartet, als sich die „Black Lives Matter“-Bewegung in Belgien formierte, nach dem Tod George Floyds. Aktivisten beschmierten Leopolds bronzenes Antlitz und seine Hände mit roter Farbe. „Pardon“, schrieben sie auf seine Brust, „Mörder“ auf den Sockel.

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