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Festnahmen in Belarus : Zehntausende protestieren gegen Machthaber Lukaschenka

  • Aktualisiert am

Zeichen des Sieges: Ein Unterstützer der Opposition in Belarus formt am Sonntag in Minsk mit seiner linken Hand ein V. Bild: AFP

Trotz Herbstwetters und neuer Gewaltandrohung der Behörden gehen zahlreiche Menschen am zehnten Wochenende in Folge auf die Straße. Dabei droht das Regime damit, auf sie zu schießen.

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          Zehntausende Menschen haben in Belarus bei einem neuen Protestmarsch gegen Machthaber Alexandr Lukaschenka demonstriert. Sie zogen am Sonntag, begleitet von einem großen Aufgebot von Polizei und Militär, durch die Hauptstadt Minsk. Auch in anderen Städten gab es Aktionen. Dabei riefen die Menschen „Es lebe Belarus“ und „Lukaschenka in den Gefängniswagen“. Bei der als „Partisanenmarsch“ bezeichneten Demonstration wurden abermals viele Demonstranten festgenommen. Nachrichtenagenturen bezifferten die Festnahmen zwischen fünfzig und über hundert.

          Aus Minsk gab es wieder Bilder von vielen Militärfahrzeugen und Gefangenentransportern, die im Nachrichtenkanal Telegram veröffentlicht wurden. Der Machtapparat brachte abermals Wasserwerfer in Stellung. Die Sicherheitskräfte sperrten Straßen mit Stacheldraht und schwerem Gerät im Zentrum ab. Zudem gab es Berichte, dass Sicherheitskräfte Gummigeschosse in die Luft gefeuert hätten, als Demonstranten Steine geworfen hätten.

          Es ist das mittlerweile zehnte Protest-Wochenende in Folge. Die Aktionen an den Sonntagen haben besonders großen Zulauf. Die Sicherheitskräfte hatten zuletzt ihre Gangart gegen Demonstranten verschärft. Das Innenministerium drohte offen mit dem Einsatz von Schusswaffen und scharfer Munition. Die Opposition ruft dagegen stets zu friedlichen Protesten auf und verurteilt Gewalt.

          Am Sonntag zogen wieder zahlreiche Demonstranten durch Minsk, die Hauptstadt von Belarus.
          Am Sonntag zogen wieder zahlreiche Demonstranten durch Minsk, die Hauptstadt von Belarus. : Bild: AFP

          Metro-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht so einfach ins Zentrum gelangen konnten. Zudem funktionierte das mobile Internet zeitweise nicht. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über Telegram verabreden und Videos von Festnahmen schnell verbreitet werden.

          Seit der Präsidentenwahl am 9. August gibt es in Belarus regelmäßig Proteste. Das Land steckt in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenka hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht wieder zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an. Sie war ins EU-Exil Litauen geflohen.

          Bereits am Samstag gingen landesweit Hunderte Frauen und Studenten gegen Lukaschenka auf die Straße. Dem Innenministerium zufolge gab es dabei fast 60 Festnahmen. Auch Journalisten seien in Polizeigewahrsam gekommen, teilte der belarussische Journalistenverband mit.

          Bekannt wurde zudem, dass der Anwalt der inhaftierten Protestführerin Marija Kolesnikowa in Hausarrest entlassen wurde. „Dass Ilja Salej zuhause und nicht in Untersuchungshaft ist, ist eine gute Nachricht, und das ist das Resultat unseres friedlichen Drucks auf das Regime“, erklärte Tichanowskaja. Die Proteste würden jedoch weitergehen, bis alle politischen Gefangenen frei seien und es Neuwahlen gebe.

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