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Belarus : Warum Lukaschenka ein Frauenproblem hat

Klares Bild von der Rolle der Frau: Alexandr Lukaschenka am Freitag beim „Minsker Frauenforum“ Bild: dpa

Die Proteste in Belarus sind auch eine Auflehnung gegen Lukaschenkas Patriarchat, in dem Frauen dafür da sind, Kinder zu gebären und ihre Männer zu erfreuen. Und das Minsker „Frauen-Forum“ des Diktators ist die Konterrevolution.

          4 Min.

          Am Donnerstagabend machte die Nachricht die Runde, der belarussische Diktator habe die Grenzen zu Litauen und Polen geschlossen. Alexandr Lukaschenka bemüht sich seit dem Erstarken der Protestbewegung gegen seine Herrschaft, eine militärische Bedrohung durch diese Länder herbeizureden und seine Gegner als Handlanger des „Westens“ darzustellen. Eine Grenzschließung würde ins Bedrohungsszenario passen, wäre aber teuer; mit Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen hatte Lukaschenka noch im Frühjahr entgegen dem Trend in der Corona-Pandemie die Grenzen von Belarus offen gelassen. Bis Freitagnachmittag zeichnete sich nicht ab, dass Lukaschenka den Worten Taten folgen lassen würde. So blieb der Rahmen der Ankündigung das eigentlich Bemerkenswerte: Lukaschenka sprach, angeblich spontan, vor Tausenden Frauen in der Minsk-Arena der Hauptstadt.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Das „Frauen-Forum“ unter dem Motto „Für Belarus“ war ein Fest in sowjetischer Tradition, zu dem Teilnehmerinnen mit Bussen aus etlichen Landesteilen in die Hauptstadt gebracht und in der Arena nach Region geblockt plaziert und zum Jubel angehalten wurden. Daraus wurde für das Staatsfernsehen eine „herzliche, aufrichtige und schöne“ Veranstaltung, zu der sich mindestens 13.000 der „initiativsten Frauen des Landes“ versammelt hätten, „geeint durch ein gemeinsames Ziel: die Liebe zum heimatlichen Belarus, dessen Werte und den Wunsch, im eigenen, friedlichen, ruhigen und stabilen Land zu leben, Kinder großzuziehen und mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen“. Die Bilder zeigen Fahnen schwenkende, Plakate für Lukaschenka haltende Frauen, die meisten eher etwas älter. Aber auch einige Männer zeigten die Kameras des Staatsfernsehens im Publikum; auch die beiden Moderatoren auf der Bühne waren männlich, was sie nicht davon abhielt, dem Publikum die Parole vorzugeben: „Wir sind die Frauen von Belarus!“

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