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Vorabend der Wahl in Belarus : Präsidentschaftskandidatin muss offenbar untertauchen

  • Aktualisiert am

Untergetaucht: Swetlana Tichanowskaja, Kandidatin bei der Präsidentenwahl in Belarus (mitte), mit ihren Mitstreiterinnen Maria Kolesnikowa (rechts) und Veronika Zepkalo. Bild: dpa

Am Tag vor der Wahl sind in Belarus die Wahlkampfleiterin und eine Mitstreiterin der Oppositionskandidatin Tichanowskajas festgenommen worden. Tichanowskajas selbst soll nun an einem unbekannten Ort untergekommen sein.

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          Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Belarus ist die Wahlkampfleiterin der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja festgenommen worden – bereits zum zweiten Mal. Maria Moros werde voraussichtlich bis Montag festgehalten, sagte eine Sprecherin Tichanowskajas der Nachrichtenagentur AFP am Samstag. Der Grund für die Festnahme sei unklar. Moros war bereits Anfang der Woche in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie die litauische Botschaft in Minsk besucht hatte. Wenig später wurde sie wieder freigelassen.

          Am Abend meldeten die Nachrichtenagenturen Reuters und Interfax zudem, dass Tichanowskaja selbst untergetaucht und eine ihrer Mitstreiterinnen – die führende Oppositionsvertreterin Maria Kolesnikowa – nach Angaben ihres Wahlkampfteams zeitweise festgenommen worden sein soll. Die Polizei habe bei der kurzzeitigen Festnahme von einer Verwechselung gesprochen, hieß es in einer in der Nacht veröffentlichen Erklärung.

          Vor der Abstimmung sind Menschenrechtsgruppen zufolge mehr als 1300 Personen in Haft genommen worden. Die Oppositionskandidatin soll sich weiterhin in Minsk aufhalten, jedoch an einem unbekannten Ort und umgeben von Mitarbeitern und Journalisten, so Interfax.

          Tichanowskaja ist die wichtigste Rivalin des seit 26 Jahren autoritär regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko, der sich bei der Wahl am Sonntag um eine sechste Amtszeit bewirbt. Die 37-Jährige trat an, nachdem ihr Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, von der Wahl ausgeschlossen und inhaftiert wurde.

          Die vorzeitige Stimmabgabe begann bereits am Dienstag, der eigentliche Wahltag ist Sonntag. Die Behörden gingen vor der Präsidentschaftswahl massiv gegen die Opposition vor.

          Weitere Festnahmen in Zusammenhang mit Opposition

          Ende Juli war auch der Politikberater Witali Schkliarow bei einem Besuch seiner Eltern in Belarus festgenommen worden. Schkliarow ist gebürtiger Belarusse, lebt aber in Washington. Am Samstag wurde er nun beschuldigt, an der Organisation von Massenunruhen vor der Wahl mitgewirkt zu haben. Schkliarow drohten bis zu drei Jahre Gefängnis, teilte sein Anwalt mit. Der Politikberater bestreitet die Vorwürfe. Grund seiner Festnahme seien vielmehr seine Kommentare zur belarussischen Politik.

          Das Staatsfernsehen hatte unter Berufung auf den belarussischen Sicherheitsdienst berichtet, Schkliarow habe den inhaftierten Tichanowski beraten. Der Politikexperte bestreitet jede Zusammenarbeit. Schkliarow hatte in der Vergangenheit unter anderem Präsidentschaftskandidaten in Amerika, Russland und der Ukraine beraten.

          Am Samstag wurden zudem in Russland drei Aktivisten der russischen Opposition festgenommen, die als Wahlbeobachter nach Belarus reisen wollten. Der Geschäftsführer der Bewegung Open Russia (Offenes Russland), Andrej Piwowarow, und zwei weitere Mitglieder seien aus einem Bus geholt und „ohne jede Erklärung“ festgenommen worden, teilte die Gruppe mit. Piwowarow drohten bis zu 15 Tage Haft wegen Widerstands gegen Grenzbeamte.

          Lukaschenko hatte Russland Einmischungsversuche in die Wahl in Belarus vorgeworfen. Kreml-Kritiker gehen jedoch davon aus, dass der Kreml Lukaschenko unterstützt. „Ein Diktator wird immer einen Diktator unterstützen“, erklärte der Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow auf Facebook.

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