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Aufnahme aus Untersuchungshaft : Belarus führt Protassewitschs Freundin in Video vor

Demonstration für die Freilassung der festgesetzten Oppositionellen vor der belarussischen Botschaft am Dienstag in Warschau Bild: AP

Die mit Roman Protassewitsch am Sonntag festgesetzte Russin Sofija Sapega ist jetzt ebenfalls in einem Video vorgeführt worden. Die Aufnahme dauert knapp eine halbe Minute.

          2 Min.

          Derselbe regimetreue Kanal im Messengerdienst Telegram, der am Montagabend das Video des belarussischen Journalisten Roman Protassewitsch veröffentlicht hatte, legte am Dienstagabend nach: Nun wurde die ebenfalls am Sonntag am Minsker Flughafen festgesetzte Sofija Sapega vorgeführt. Das Video mit Protassewitschs Freundin dauert ebenfalls nur knapp eine halbe Minute.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die 23 Jahre alte Studentin spult darin persönliche Daten ab, sagt, sie sei am Sonntag mit Protassewitsch geflogen und gibt an, Redakteurin eines Telegram-Kanals zu sein, der „persönliche Informationen“ von Mitarbeitern des Sicherheitsapparats veröffentliche. Den entsprechenden Kanal haben die belarussischen Behörden als extremistisch eingestuft. Die russische Nowaja Gaseta berichtete, in Gegenwart ihres Anwalts habe Sapega nichts zu einer Tätigkeit für den Kanal geäußert. Der Verteidiger machte zwar bekannt, dass Sapega für zwei Monate inhaftiert worden sei – eine in Ermittlungsverfahren übliche erste Untersuchungshaftdauer – und dass sie im Untersuchungsgefängnis des Geheimdiensts KGB festgehalten werde. Der Anwalt sagte, Sapega werde verdächtigt, „eine strafbare Handlung verübt“ zu haben, welche, dürfe er nicht sagen, er habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben.

          Sofija Sapega: Standbild aus dem von Belarus veröffentlichten Video
          Sofija Sapega: Standbild aus dem von Belarus veröffentlichten Video : Bild: Reuters

          Auch die belarussischen Behörden teilten zu Vorwürfen gegen Sapega bisher nichts mit. Die Wolkigkeit dürfte daran liegen, dass das Minsker Regime in ihrem Fall den Faktor Russland berücksichtigen muss: Dessen Staatsbürgerin ist Sapega. Das kümmerte Moskau in den ersten zwei Tagen nach der erzwungen Landung des Flugzeugs in Minsk wenig. Immerhin geht es um die Freundin eines Gegners des engsten Verbündeten, die in einem Nato- und EU-Land, Litauen, Völker- und EU-Recht studiert. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow äußerte erst am Dienstag, man hoffe, Sapega werde freigelassen, „natürlich nur, wenn es an sie keine Fragen im Hinblick auf die Beachtung des Gesetzes gibt“.

          Russischer Diplomat besucht Sapega

          Das russische Außenministerium informierte über den Besuch eines russischen Diplomaten bei Sapega am Dienstagabend, mehr als zwei Tage nach der Festnahme. Das Ministerium teilte mit, vorgeworfen würden Sapega Delikte „in der Zeit von August bis September 2020“, dem Höhepunkt der Proteste gegen Diktator Alexander Lukaschenko. Er ließ aber ebenfalls offen, was genau. Erst die „Nowaja Gaseta“ zitierte eine nicht genannte Quelle mit der Aussage, Sapega würde verdächtigt, „Massenunruhen“ und Ordnungsverstöße organisiert zu haben.

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          Dabei ist allen klar, dass die Vorwürfe gegen die Russin Gegenstand der Politik zwischen Moskau und Minsk sind. Für Präsident Wladimir Putin, der Lukaschenko am Freitag in Sotschi empfängt, ergibt sich die Chance, als Retter der jungen Frau aufzutreten und vom schlechten Eindruck abzulenken, der durch die Abfangaktion und die unter größtem Druck entstandenen Aufnahmen der jungen Paares auch für die russische Schutzmacht entstanden ist. Auch viele Russen sind angewidert von den Videos des jungen Paares. Darauf reagiert Putins Apparat. Interesse für Politik habe seine Tochter nicht gezeigt, sagte Sapegas Vater auch dem Kreml-Sender RT.

          Lukaschenko verteidigte die erzwungene Flugzeuglandung am Mittwoch als „rechtmäßig“. RT-Chefredakteurin, Margarita Simonjan, hatte die Umleitung des Fluges FR4978 nach Minsk mithilfe eines Abfangjägers noch als „schön ausgeführt“ gepriesen und bekundet, sie sei „neidisch“. Am Dienstagabend twitterte Simonjan, sie wisse „nichts“ über Sapega, „außer, dass sie Bürgerin Russlands ist. Und das reicht vollkommen aus. Bringt das Mädchen zurück.“ Wenn „bewiesen“ werde, dass Sapega Redakteurin des Telegram-Kanals sei, möge sie bestraft werden, fügte Simonjan später hinzu. „Aber diese Geständnisvideos machen niemandem Ehre.“

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