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Ermittlungen wegen Mordes : Belarussischer Aktivist in Ukraine tot aufgefunden

Witalij Schischow ist auf einer Aufnahme in der ukrainischen Hauptstadt zu sehen. Bild: AFP

Der Leiter einer belarussischen Exil-Organisation in Kiew, Witalij Schischow, war am Montag vermisst gemeldet worden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes. Viele vermuten den langen Arm Alexandr Lukaschenkos.

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          „Es ist besorgniserregend, dass diejenigen, die aus Belarus fliehen, immer noch nicht in Sicherheit sind“, schrieb die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja am Dienstagmorgen auf Twitter. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der nach Kiew ins Exil gegangene und seit dem Vortag vermisste Belarusse Witalij Schischow tot aufgefunden wurde. Laut Kiewer Polizei wurde der Leiter der Exil-Gruppe „Belarussisches Haus in der Ukraine“ erhängt in einem Park in der Nähe seines Wohnorts entdeckt. Ermittelt werde auch in Richtung eines als Selbstmord getarnten Mordes. Am Nachmittag bestätigte die Polizei die Aussagen von Mitgliedern von Schischows Organisation, der Sechsundzwanzigjährige habe Schrammen an Nase, Knie und Brust gehabt.

          Sofia Dreisbach
          Redakteurin in der Politik.

          Seine Freundin hatte am Montag Alarm geschlagen, als Schischow nicht vom Joggen zurückgekehrt und sein Handy nicht erreichbar war. Der junge Belarusse hatte sein Heimatland im Herbst 2020 verlassen, nachdem er an den Protesten gegen die gefälschte Präsidentenwahl am 9. August teilgenommen hatte. In einer Erklärung zu seinem Tod schrieb die Organisation am Dienstag, es bestehe „kein Zweifel, dass dies eine geplante Operation der belarussischen Sicherheitskräfte ist, um eine Person zu liquidieren, die für das belarussische Regime wirklich gefährlich ist“.

          Nach Aussage des stellvertretenden Leiters von „Belarussisches Haus in der Ukraine“ hatten Schischow und seine Freundin von unbekannten Personen berichtet, die ihnen gefolgt seien, und mehrmals bemerkt, aus Autos vor ihrer Wohnung beobachtet worden zu sein. „Wir wurden vor Provokationen gewarnt, sogar vor möglichen Entführungen und Ermordungen“, teilte die Organisation mit. Einen ähnlichen Fall wie Schischows hatte es im vergangenen Jahr in Belarus gegeben. Im August wurde, zehn Tage nach seinem Verschwinden, ein junger Mann erhängt in einem Wald außerhalb von Minsk aufgefunden. Zuvor hatte er an den Demonstrationen gegen Diktator Alexandr Lukaschenko teilgenommen.

          Die Organisation „Belarussisches Haus in der Ukraine“ hilft exilierten Belarussen bei der Wohnungssuche, Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitsplätzen. Sie soll laut Recherchen des belarussischen Teils von Radio Liberty jedoch auch Verbindungen zu dem Belarussen Sergej Korotkich haben, der für seine Teilnahme im rechtsextremen Asow-Freiwilligen-Bataillon die ukrainische Staatsbürgerschaft erhalten habe. Korotkich hat laut dem ukrainischen Onlinemedium Zaborona Media seit vergangenem November regelmäßig an Veranstaltungen der Organisation teilgenommen.

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