https://www.faz.net/-gpf-a4y1u

Ohne Vorwarnung : Belarus schließt Grenze zu Litauen, Lettland, Polen und Ukraine

  • Aktualisiert am

Bezeichnete die Corona-Pandemie als „Psychose“: der belarussische Diktator Alexander Luakschenka Bild: Reuters

Die Corona-Pandemie redete Machthaber Lukaschenka bis zuletzt konsequent klein. Jetzt schließt Belarus plötzlich die Grenzen zu vier Nachbarländern – wegen der „epidemiologischen Lage“. Die Grenze zu Russland bleibt offen.

          1 Min.

          Ohne Vorwarnung hat Belarus am Donnerstag seine Grenzen zu den EU-Staaten Polen, Litauen und Lettland sowie zur Ukraine geschlossen. Wegen der „epidemiologischen Lage“ in einigen Nachbarländern von Belarus werde für eine Zeit die Einreise beschränkt, teilte der Grenzschutz des Landes mit. „Wir müssen die Grenze schließen“, hatte zuvor Machthaber Alexander Lukaschenka ohne Angabe von Gründen gesagt.

          Durchgelassen würden Diplomaten und Lastverkehr, teilte der Grenzschutz mit. Zuvor hatten Bürger aus Belarus an den Grenzübergangsstellen darüber geklagt, dass sie nicht in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Entscheidung des Grenzschutzes war auch insofern überraschend, als die Behörden die Gefahr durch die Atemwegserkrankung Covid-19 seit Monaten kleinreden.

          Grenze zu Russland bleibt offen

          Lukaschenka hatte die Coronavirus-Pandemie als eine „Psychose“ bezeichnet. Offiziell hatte Belarus bis Donnerstag 96.529 Corona-Infizierte, 85.332 galten als genesen. Die Zahl der Coronavirus-Toten lag nach offizieller Darstellung bei 973. Ärzte in Belarus halten diese Zahlen für geschönt.

          Es galt als wahrscheinlich, dass es eher politische Gründe für die Grenzschließung gab. Die Beziehungen von Belarus zu allen vier Nachbarn sind gespannt, seit sie Lukaschenka nicht mehr als Präsidenten anerkennen. Mit Russland, das extrem hohe Infektionszahlen hat und Lukaschenka unterstützt, funktioniert der Grenzverkehr.

          Nachbarländer wurden überrumpelt

          Litauen habe auf diplomatischem Weg keine Warnungen erhalten, sagte Außenminister Linas Linkevicius im Radio. Er bezweifelte, dass die Pandemie der Hauptgrund für die Grenzschließung sein könnte. „Diese Situation hat uns wirklich überrascht“, sagte Rustamas Liubajevas, der Leiter des litauischen Grenzschutzes, der Agentur BNS zufolge.

          Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja meinte, dass die Grenzschließung ein Zeichen für die Schwäche Lukaschenkas sei. „Er trifft undurchdachte Entscheidungen, weil er in Panik ist“, sagte die 38-Jährige in ihrem Exil in der EU. Die Demokratiebewegung in Belarus, die seit Monaten gegen Lukaschenka protestiert, sieht Tichanowskaja als wahre Siegerin der Präsidentenwahl vom 9. August.

          Weitere Themen

          Österreich will Kirchen besser bewachen

          Nach islamistischem Anschlag : Österreich will Kirchen besser bewachen

          Österreichs Innenminister kündigt an, dass Gotteshäuser besser geschützt werden sollen. Zu den genauen Gründen äußert sich Nehammer zwar nicht. Doch vieles spricht dafür, dass die Entscheidung eine Folge des Anschlags in Wien ist.

          Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

          AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

          Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.