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Repression in Belarus : Kolesnikowa weiter in „ernstem Zustand“

Marija Kolesnikowa bei ihrer Gerichtsverhandlung in Minsk im Jahr 2021 Bild: dpa

Wie geht es Marija Kolesnikowa? Dem Vater der Gefangenen wird offenbar keine Diagnose mitgeteilt. Mitstreiter rufen das Klinikpersonal dazu auf, Informationen über Kolesnikowas Zustand anonym zu übermitteln.

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          Familie, Freunde und Mitstreiter Marija Kolesnikowas waren am Mittwoch weiter in großer Sorge um die belarussische Regimegegnerin. Die 40 Jahre alte Kolesnikowa, die wichtigste in Belarus verbliebene Widersacherin von Machthaber Alexandr Lukaschenko, wird seit Montag in einem Krankenhaus der südostlichen Stadt Gomel behandelt. Die kargen Informationen darüber stammen aus dem Telegram-Kanal von Viktor Babariko, dem aussichtsreichsten, vom Regime verhinderten Kandidaten für die Präsidentenwahlen 2020, für den sich Kolesnikowa einsetzte.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Demnach ist sie bei Bewusstsein, aber trotz einer erfolgreichen Operation weiterhin in ernstem Zustand. Ihr Vater sei im Gomeler Krankenhaus, werde aber nicht zu der Gefangenen vorgelassen, ebenso wenig wie ihr Anwalt, hieß es am Mittwochnachmittag. Der Vater könne nur im Beisein von Innenministeriumsbeamten mit den Ärzten sprechen. Ihm werde keine Diagnose mitgeteilt, unter Berufung darauf, dass eine Erlaubnis der Gefangenen fehle. Nach unbestätigten Berichten sei, so der Kanal, bei Kolesnikowa eine Ulkusperforation festgestellt worden, ein Durchbruch der Magen- oder Darmwand im Rahmen eines Geschwürs.

          Kolesnikowa wird seit Anfang des Jahres in einem Straflager in Gomel festgehalten. Im September 2021 war sie in der Hauptstadt Minsk unter anderem wegen „Verschwörung zum Ziele der Machtergreifung“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Lagerleitung Kolesnikowa in den „Strafisolator“ gesteckt hatte; die Begründung blieb unklar. Kolesnikowas Mitstreiter schrieben auf Telegram von einer langen Liste von Fragen.

          Dazu zählen sie ebenfalls, dass Strafvollzugsbehörde und Staatsanwaltschaft nicht auf Beschwerden des Anwalts der Gefangenen reagiert hätten, der sich beunruhigt über deren Gesundheitszustand geäußert habe. Über Babarikos Telegram-Kanal riefen sie dazu auf, ihnen Informationen über Kolesnikowa „sicher und anonym“ zu übermitteln. Im Gomeler Krankenhaus „arbeiten viele Belarussen, die sich um Mascha Sorgen machen“.

          Kolesnikowas Anwalt erhält keinen Zugang zum Straflager

          Babariko war im Juni 2020 festgenommen worden, im Juli vorigen Jahres wurde er zu 14 Jahren Haft verurteilt. An seiner Stelle hatte Kolesnikowa den Wahlkampf 2020 an der Seite Swetlana Tichanowskajas und der Ehefrau eines weiteren verhinderten Kandidaten bestritten. Kolesnikowa wurde mit ihrem Symbol, den zu einem Herz geformten Händen sowie ihrem ansteckenden Optimismus zum wichtigsten Gesicht der Protestbewegung in Belarus selbst. Das Regime versuchte Anfang September 2020, Kolesnikowa in die Ukraine zu bringen; sie verhinderte das, indem sie ihren Pass zerriss. Seither ist sie in Haft und wird vom Regime weitestgehend isoliert.

          Die Information über Kolesnikowas Behandlung stammte nicht vom Straflager: Das Krankenhaus bestätigte sie gegenüber ihrem Anwalt. Dieser war am Dienstag laut Babarikos Telegram-Kanal das dritte Mal infolge nicht in Kolesnikowas Straflager vorgelassen worden, unter Berufung darauf, dass die Gefangene keine entsprechende Erklärung abgegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Anwalt offenbar keine Kenntnis davon, dass sich Kolesnikowa gar nicht mehr im Straflager befand. Zuletzt habe er die Gefangene am 17. November gesehen.

          Am Dienstag hieß es auf Babarikos Kanal, Kolesnikowa sei schon am Montag ins Krankenhaus gekommen und gleich operiert, dann auf die Intensivstation verlegt worden. Am Dienstagabend hieß es weiter, die Gefangene sei in „stabilem, ernstem Zustand mit Verbesserung“. Unter anderem vom amerikanischen Außenministerium und dem Europäischen Parlament kamen Appelle, Kolesnikowa eine angemessene medizinische Behandlung angedeihen zu lassen sowie sie und andere politische Gefangene freizulassen. Lukaschenkos Regime schwieg dazu.

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