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Belarus-Krise : Weitere Leiche in Polens Grenzgebiet entdeckt

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In einem improvisierten Camp auf der belarussischen Seite der Grenze waren am Freitag rund 2000 Schutzsuchende gestrandet. Bild: EPA

An Polens Grenze zu Belarus spitzt sich die Lage weiter zu. In der Nacht versuchten abermals hunderte Migranten, die Absperrungen zu durchbrechen - offenbar unterstützt von belarussischen Soldaten.

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          In Polens Grenzgebiet zu Belarus hat die Polizei eine weitere Leiche gefunden. Bei dem Toten handele es sich um einen 20 Jahre alten Mann aus Syrien, sagte ein Sprecher der Polizei in der Woiwodschaft Podlachien am Samstag der Nachrichtenagentur PAP. Demnach wurde die Leiche von einem Forstarbeiter in einem Waldstück nahe des Dorfes Wolka Terechowska entdeckt. Der Tote habe einen syrischen Pass bei sich gehabt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung soll Aufschluss über die Todesursache geben. In dem Grenzgebiet sind schon mehrere Menschen gestorben.

          Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt harren Tausende Migranten seit mehreren Tagen auf der belarussischen Grenze in provisorischen Camps im Wald aus. Der belarussische Machthaber Alexandr Lukaschenko wird beschuldigt, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Immer wieder schaffen es Migranten, durch den Stacheldrahtverhau an der Grenze auf die polnische Seite zu gelangen.

          Nach Angaben der polnischen Polizei versuchte in der Nacht zu Samstag eine Gruppe von hundert Migranten bei Wolka Terechowska vergeblich, die Grenze zu durchbrechen. Die Gruppe sei von belarussischer Seite mit Tränengas ausgestattet worden und habe dieses gegen polnische Sicherheitskräfte eingesetzt, teilte Polens Grenzschutz per Twitter mit. Belarussische Soldaten hätten zudem den provisorischen Grenzzaun beschädigt und polnische Beamte mit Laser- und Stroboskopstrahlen geblendet.

          Putin: Wir haben damit nichts zu tun

          Der russische Präsident Wladimir Putin bestritt derweil eine Beteiligung Moskaus an dem  Flüchtlings-Konflikt. „Ich möchte, dass es alle wissen. Wir haben nichts damit zu tun“, sagte Putin in einem am Samstag vom staatlichen Rundfunksender Westi ausgestrahlten Interview. Keine russische Fluggesellschaft sei daran beteiligt, „diese Leute zu transportieren“, sagte Putin. Polen und weitere westliche Länder hatten Moskau zuvor beschuldigt, Minsk dabei unterstützt zu haben, Migranten an die EU-Außengrenze zu schleusen. Berichten zufolge sollen mit der russischen Gesellschaft Aeroflot mehrere hundert Syrer aus dem Libanon über Moskau nach Minsk gebracht worden sein.

          Am Freitag hatte Russland zudem Fallschirmjäger zu einer „unangekündigten Übung“ in das Grenzgebiet zwischen Belarus, Litauen und Polen geschickt. Zwei russische Soldaten waren bei der Übung ums Leben gekommen.

          Putin war dem polnischen Grenzschutz „inhumanes Handeln“ vor. Es komme jetzt dazu, dass „polnische Grenzschützer und Vertreter der Streitkräfte die Migranten schlagen, über ihren Köpfen aus Kampfwaffen in die Luft schießen, nachts Sirenen und Licht anschalten an den Aufenthaltspunkten, wo Kinder und Frauen in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft sind“.

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