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Demonstrationen in Belarus : Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenka

Demonstranten mit Fahnen in den Farben der früheren belarussischen Nationalflagge in Minsk am Sonntag Bild: dpa

In Belarus gehen abermals Menschen gegen das Regime Lukaschenka auf die Straße. Trotz einer neuen Taktik der Demonstranten gibt es schon am Nachmittag viele Festnahmen.

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          In Minsk und anderen Städten haben am Sonntag wieder Proteste gegen das Regime des belarussischen Machthabers Alexandr Lukaschenka stattgefunden. Die Menschenrechtsorganisation Wjasna meldete bis zum späten Nachmittag mehr als 150 Festnahmen; am Sonntag zuvor waren mehr als 300 Demonstranten zum Teil mit brutaler Gewalt festgenommen worden.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Die Zahl der Demonstranten in Minsk ist schwer festzustellen, weil sie sich nun in der vierten Woche in Folge nicht mehr zu zentralen Kundgebungen zusammenfinden, sondern sich in den Wohnbezirken der belarussischen Hauptstadt dezentral versammeln. Diese Taktik soll es den Sicherheitskräften erschweren, massiert gegen die Proteste vorzugehen.

          Tichanowskaja kommt nach Berlin

          Viele der Demonstranten trugen die weiß-rot-weiße Fahne mit sich, die auf die kurzlebige belarussische Volksrepublik des Jahres 1918 zurückgeht und die erste Flagge des unabhängigen Belarus war, bis Lukaschenka sie 1995 durch eine leicht modifizierte Version der Fahne der belarussischen Sowjetrepublik ersetzte. Da Fahnen, die als Zeichen des Widerstands an Zäunen oder Balkonen aufgehängt werden, stets rasch entfernt werden, tauchten in der vergangenen Woche die Farben auf und auch eingefroren in den Eisflächen von Gewässern in Minsk und anderen Städten auf, deren Entfernung für die Sicherheitskräfte mit Risiken verbunden war.

          Die Proteste in Belarus dauern seit der manipulierten Präsidentenwahl am 9. August ununterbrochen an. Die im Exil in Litauen lebende mutmaßliche Wahlsiegerin Swetlana Tichanowskaja kommt an diesem Montag zu einem Besuch nach Deutschland, wo sie unter anderem mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammenkommen wird. Anschließend wird sie nach Brüssel weiterreisen, wo sie den Außenbeauftragten der Europäischen Union, Josep Borrell, treffen wird. Die EU-Staaten erkennen Lukaschenka nicht mehr als Machthaber an. Am Mittwoch wird sie dann stellvertretend für die demokratische Opposition in Belarus den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments entgegennehmen.

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