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Bei Anschlag in Afghanistan : Drei tschechische Nato-Soldaten getötet

  • Aktualisiert am

Gebäude der tschechischen Armee in Parwan im Osten Afghanistans. Bild: AFP

Der Einsatz in Afghanistan bleibt für Nato-Soldaten lebensgefährlich. Diesmal trifft es drei Tschechen, sie werden Opfer eines Selbstmordattentäters. Grund für die zunehmend bedrohlicher werdende Lage könnten die nahenden Parlamentswahlen sein.

          Bei einem Selbstmordanschlag im Osten Afghanistans sind am Sonntag drei Nato-Soldaten getötet worden. Ein amerikanischer Soldat und zwei afghanische Soldaten seien dazu verletzt worden, teilte die Nato-Ausbildungsmission „Resolute Support“ mit. Die Uniformierten waren zu Fuß auf Patrouille. Die Staatsangehörigkeit der Toten nannte die Nato nicht, da sie dies den Mitgliedsländern überlässt.

          Es handele sich um drei tschechische Soldaten der Geburtsjahrgänge 1982, 1990 und 1993, teilte die Armeeführung in Prag kurz darauf mit. Nach tschechischen Angaben ereignete sich der Anschlag nahe der Militärbasis Bagram in der östlichen Provinz Parwan. Der tragische Tod der drei Soldaten mache ihn sehr betroffen, teilte Verteidigungsminister Lubomir Metnar mit. Auch Präsident Milos Zeman drückte den Angehörigen sein Beileid aus und forderte weitere Anstrengungen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Tschechien beteiligt sich derzeit mit rund 250 Soldaten am Einsatz in Afghanistan. Erst vor kurzem war eine Verstärkung beschlossen worden.

          Aus Deutschland sind derzeit 1193 Bundeswehrsoldaten an „Resolute Support“ beteiligt, unter ihnen 103 Frauen. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor gut 16 Jahren sind 57 deutsche Soldaten dort zu Tode gekommen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte vor einem Jahr angesichts des Wiedererstarkens der radikalislamischen Taliban eine neue, sehr viel aggressivere Afghanistan-Strategie vorgestellt. Sie beinhaltet nach Jahren der Truppenabzüge die Entsendung von Tausenden zusätzlichen Soldaten der Vereinigten Staaten. Die Strategie sieht keine Abzugsdaten mehr vor. Gleichzeitig verhandelten zuletzt auch führende Diplomaten Amerikas direkt mit der Taliban. Es hieß aus Kreisen der Terrororganisation, dass die Gespräche sehr positiv verlaufen seien, weshalb der Anschlag unerwartet kommt.

          Taliban zeigt sich wieder aggressiver

          Die afghanischen Sicherheitskräfte sind nicht in der Lage, selbst für Sicherheit zu sorgen. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag vom Sonntag. In einer Erklärung hieß es, es handele sich um eine „taktische Explosion“ gegen die Patrouille. Ein Sprecher sagte, acht amerikanische Soldaten seien getötet oder verwundet worden. Eine Sprecherin des Gouverneurs der Provinz Parwan sagte, der Anschlag habe sich auf dem Gebiet der Provinzhauptstadt Charikar ereignet. Die Selbstmordbomber sei zu Fuß gewesen.

          Seit dem weitgehenden Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan 2014 ist die Zahl der getöteten Soldaten der Allianz deutlich gesunken. Die Taliban und die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) versuchen aber immer wieder, sie bei Anschlägen ins Visier zu nehmen. Und hatten damit in den vergangenen Monaten wieder verstärkt Erfolg. Grund für die offensive Herangehensweise könnten die nahenden Parlamentswahlen in Afghanistan sein. Sie sollen am 20. Oktober stattfinden – und sind eigentlich seit drei Jahren überfällig. 

          Erst am vergangenen Mittwoch waren zwei Soldaten Amerikas bei einem Angriff getötet worden. Und auch die Zivilbevölkerung litt bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee, bei der über 30 Menschen ums Leben kamen.

          Derzeit hat die Nato noch rund 16.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Allein die Vereinigten Staaten von Amerika stellen davon 13.000 Soldaten. Rund 2000 von ihnen sind mit Anti-Terror-Einsätzen beauftragt.

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