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Ägyptische Sinai-Halbinsel : Über 200 Tote bei Anschlag auf Moschee

Die Al-Rawdah-Moschee in der Nähe der ägyptischen Provinzhauptstadt Al Arisch Bild: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Auf dem Sinai kommt es immer wieder zu terroristischen Angriffen eines IS-Ablegers. Beim Freitagsgebet hat jetzt ein Überfallkommando eine Bombe gezündet und auf Gläubige geschossen. Die Zahl der Opfer steigt ständig.

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          In Ägypten sind am Freitag bei einem Terrorangriff auf einen Moschee auf der Sinai-Halbinsel Hunderte Menschen getötet und verletzt worden. Nach Angaben der Staatspresse waren es am Nachmittag mindestens 235 Tote. Mehr als 100 weitere wurden verletzt. Präsident Abd al Fattah al Sisi kündigte eine drei Tage dauernde Staatstrauer an. Die Terroristen griffen ein Gebetshaus in der Nähe der Stadt al Arisch im Norden des Sinais an, wo sich die Gläubigen zum Freitagsgebet versammelt hatten.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Augenzeugen sagten der ägyptischen Presse, die schwer bewaffneten Angreifer hätten erst Sprengsätze rund um die Al-Rawdah-Moschee zur Detonation gebracht und danach das Feuer auf die flüchtende Menge eröffnet. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Angreifer würden verfolgt.

          Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Das Regime in Kairo führt auf dem Sinai einen erbitterten Krieg gegen Dschihadisten, die unter dem Banner der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) kämpfen. Der Regierung gelingt es trotz des harten Vorgehens nicht, blutige Anschläge wie jenen vom Freitag zu unterbinden.

          Im April und Mai war die christliche Minderheit der Kopten Ziel von Anschlägen mit Dutzenden Toten. Am Palmsonntag griffen die Extremisten zwei Kirchen während des Gottesdienstes an. Die Moschee, welcher der Anschlag vom Freitag galt, ist laut ägyptischen Medienberichten mit einem Sufiorden verbunden. Der IS betrachtet Sufi-Mystiker als abtrünnige Muslime.

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          Kritiker werfen der Führung in Kairo vor, dschihadistische Strömungen zu stärken, indem sie die nichtdschihadistischen Islamisten der Muslimbruderschaft mit harter Hand verfolgt und in den Untergrund treibt. Im November 2014 hatte sich die vor allem auf der Sinai-Halbinsel operierende Dschihad-Gruppe Ansar Beit al Maqdis in „Die Provinz Sinai des Islamischen Staates“ umbenannt. Von einer festen Anbindung an die IS-Führung in der Levante gehen Beobachter nicht aus. Allerdings dürfte es lose Verbindungen geben. Der Sinai wird vom Regime abgeriegelt, sodass kaum unabhängige Informationen nach außen dringen.

          Ägyptische Sinai-Halbinsel : Hunderte Tote bei Anschlag auf Moschee

          Die Ursprünge der Gruppe reichen bis an den Beginn des Jahrhunderts zurück. Die Führung von Ansar Beit al Maqdis hatten Beduinen von der Sinai-Halbinsel gebildet, die sich zur Berufsausbildung oder zum Studium im ägyptischen Kernland aufgehalten hatten, wo sich radikale islamistische Ideen verbreiteten.

          Der Sinai war ein sicherer Rückzugsraum und diente als Basis zum Training. Mit dem brutalen Feldzug des Regimes von Präsident Husni Mubarak gegen die radikalen Islamisten auf dem Sinai verschärfte Kairo die Entfremdung und Radikalisierung der dortigen Bevölkerung. Kritiker sagen, die Offensive des Sisi-Regimes gegen die Dschihadisten habe ähnliche Folgen.

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