https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/behoerden-in-neuseeland-spielen-manilow-gegen-impfgegner-17801938.html

Corona-Proteste in Neuseeland : Mit Barry Manilow gegen Impfgegner

We’re not gonna take it: Corona-Protestler im neuseeländischen Wellington Bild: CHARLIE COPPINGER via REUTERS

Die Proteste gegen Impfmandate sind von Kanada in andere Länder übergeschwappt. In Neuseeland wollen die Behörden sie mit „meistgehassten“ Songs vertreiben.

          1 Min.

          Um vor dem Parlament kampierende Impfgegner zu vertreiben, greifen Neuseelands Behörden zu Mitteln, die je nach Musikgeschmack auf ihre ganz eigene Weise brutal wirken könnten. Anstatt die Demonstranten mit Tränengas in die Flucht zu schlagen, spielten sie aus Lautsprechern Musik des amerikanischen Popsängers Barry Manilow sowie den Gassenhauer „Macarena“ aus den Neunzigerjahren. Zudem setzten sie anstelle von Wasserwerfern Sprinkleranlagen ein. Die Maßnahmen waren zum Einsatz gekommen, nachdem die Hauptstadt Wellington die Demonstranten des Geländes verwiesen hatte. Laut Polizei hatten sich am Wochenende trotzdem bis zu 3000 Menschen auf dem Rasen vor dem als „Beehive“ (Bienenstock) bekannten Parlamentsgebäude versammelt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die neuseeländischen Impfgegner sind wie die Demonstranten in einigen anderen Ländern von dem Trucker-Protest in Kanada beeinflusst. Neuseeland hatte mit die strengsten Corona-Maßnahmen weltweit verhängt und damit die Corona-Zahlen lange Zeit niedrig gehalten. Kürzlich hatte Premierministerin Jacinda Ardern aber einen Plan zur schrittweisen Öffnung des Landes für Geimpfte verkündet. Landesweit gelten auch strenge Impfmandate, die für Ungeimpfte starke Einschränkungen bedeuten.

          Die Demonstranten waren am Dienstag in einem Korso in die Hauptstadt eingefahren, hatten ihre Autos und Trucks geparkt und Zelte aufgeschlagen. Später hatte die Polizei versucht, das Gelände zu räumen und 122 Teilnehmer vorübergehend festgenommen. Das Camp stört laut Polizei den Verkehr und die Anwohner. Die Polizei fürchtet außerdem eine rasche Ausbreitung des Coronavirus unter den Demonstranten, die überwiegend keine Masken tragen. Außerdem fehlt es auf dem Gelände an sanitären Anlagen. Der Einsatz von lauter Popmusik und Sprinklern sei aber keine Taktik der Polizei, sagte Bezirkspolizeichef Corrie Parnell. Die Maßnahme hatte sich der Parlamentssprecher Trevor Mallard ausgedacht. Presseberichten zufolge hatte er sich dabei an einer Playlist der 25 „am meisten gehassten Lieder“ bedient. Die Beschallung hatten die Demonstranten mit dem Lied „We’re not gonna take it“ der Rockband Twisted Sister beantwortet. Gegen die Sprinkler hatten sie sich Regenkleidung übergezogen.

          Weitere Themen

          „Der Krieg nimmt uns die Besten“

          Ukrainische Verluste : „Der Krieg nimmt uns die Besten“

          Immer mehr Angehörige der städtischen Eliten der Ukraine lassen im Krieg ihr Leben. Auch Kämpfer der Territorialverteidigung werden nun an die verlustreiche Front im Donbass geschickt. Doch Russland nachgeben will fast niemand.

          Topmeldungen

          Die Zerstörung vor Augen: Autowracks auf einem Parkplatz im Kiewer Vorort Irpin

          Ukrainische Verluste : „Der Krieg nimmt uns die Besten“

          Immer mehr Angehörige der städtischen Eliten der Ukraine lassen im Krieg ihr Leben. Auch Kämpfer der Territorialverteidigung werden nun an die verlustreiche Front im Donbass geschickt. Doch Russland nachgeben will fast niemand.
          Mantel des Schweigens: Deshaun Watson

          Skandal in der NFL : Der „ungeheuerliche“ Fall Watson

          Deshaun Watson wird verklagt, weil er Masseurinnen sexuell belästigt haben soll. Eine außergerichtliche Einigung legt den Mantel des Schweigens über die Vorwürfe. Nun gibt es einen Sturm der Entrüstung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.