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Separatisten begnadigt : Die Wette des Pedro Sánchez

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am Dienstag in Madrid Bild: AP

Auf die Begnadigung der katalanischen Separatisten reagieren die meisten Spanier ungnädig. Der Ministerpräsident versucht sie zu besänftigen: mit billigerem Strom und dem Ende der Maskenpflicht.

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          Oriol Junqueras kam als Erster. Nur mit einem Stapel Papieren unter dem Arm und im offenen Hemd verschwand er an dem grauen Herbstmorgen in dem unterirdischen Gerichtssaal am Pariser Platz im Zentrum von Madrid. Kurz darauf folgten ihm sieben weitere Mitglieder der katalanischen Regionalregierung. Am Abend des 2. November 2017 brachte ein fensterloser Polizeitransporter den bisherigen stellvertretenden katalanischen Regionalpräsidenten und die anderen ins Gefängnis: 1328 Tage später kehrt der 52 Jahre alte Vater zweier kleiner Kinder nun nach Hause zurück. Am Dienstag beschloss das spanische Kabinett einstimmig, ihn und weitere acht weitere Separatisten zu begnadigen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wenige Wochen zuvor waren sie im Oktober 2017 noch siegesgewiss. Nach dem Referendum am 1. Oktober und der Unabhängigkeitserklärung schien ihr großes Ziel zum Greifen nahe zu sein. Aber statt an der Spitze eines eigenen Staats standen die Separatisten vor einem politischen Trümmerhaufen. Die Eskalation des Katalonien-Konflikts stürzte die spanische Demokratie in ihre schwerste Krise, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Nach fast vier Jahren politischer Blockade versucht es der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez jetzt mit einem Neustart. „Es ist Zeit, eine neue Seite aufzuschlagen“, sagte er am Dienstag. Es ist eine der riskantesten Entscheidungen, seit Sánchez 2018 durch ein Misstrauensvotum an die Regierung gekommen ist. Mehr als sechzig Prozent der Spanier lehnten zuletzt laut Umfragen den Gnadenakt ab.

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