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Forscher werten Blutproben aus : Begann die Epidemie gar nicht in Wuhan?

Zu Unrecht im Fokus der Welt? Ein Fleischhändler in Wuhan am Vorabend des chinesischen Neujahrsfests. Bild: AFP

Forscher untersuchen Blutproben von Patienten, die schon voriges Jahr irgendwo in China an Lungenentzündungen litten. Sie fahnden nach Sars-CoV-2-Antikörpern. Beteiligt ist ein prominenter Virologe aus New York.

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          Ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam geht der Frage nach, ob das neuartige Coronavirus möglicherweise nicht in Wuhan, sondern in einem anderen Teil Chinas erstmals auf den Menschen übergesprungen ist. Laut einem Bericht der „Financial Times“ untersuchen die Wissenschaftler landesweit Blutproben von Patienten, die im Dezember, November oder früher wegen einer Lungenentzündung untersucht wurden.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Falls sich in den Blutproben Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisen ließen, könnte das darauf hindeuten, dass das Virus schon unter Menschen zirkulierte, bevor es in Wuhan entdeckt wurde. Denkbar wäre, dass diese Fälle aufgrund milder Krankheitsverläufe nicht erkannt wurden.

          Beteiligt an der Forschung ist der renommierte Virologe Ian Lipkin, der das Center for Infection and Immunity an der Columbia University leitet. Der „Financial Times“ sagte der Amerikaner, „wir werden alles, was wir erfahren, mit der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft teilen“. Lipkin pflegt enge Verbindungen zu chinesischen Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden, die er 2003 bei der Bekämpfung der Sars-Epidemie beriet.

          Nach Angaben von Lipkins Forschungspartner Lu Jiahai von der Sun Yat-sen University in Guangzhou läuft die Antikörperstudie bereits seit Anfang Februar und wird vom chinesischen Zentrum für Seuchenbekämpfung unterstützt. Dafür wurde er von China mit zwei Preisen ausgezeichnet.Bei einem Besuch im Februar dieses Jahres sprach er mit Ministerpräsident Li Keqiang über das neue Virus.

          Dass die Kooperation gerade jetzt öffentlich wird, was wohl einer Genehmigung durch chinesische Stellen bedarf, könnte ein Versuch Pekings sein, dem Vorwurf der Intransparenz in der Frage des Virus-Ursprungs zu begegnen. Lipkin hat sich in der Vergangenheit kritisch über eine Politisierung der Pandemie geäußert. Die Chinesen seien „sehr interessiert“ an auswärtigen Fachleuten, sagte er im Februar, „aber du musst als Partner kommen, nicht als Kolonialist“. Vor zehn Tagen berichtete er der „Financial Times“, er habe schon Mitte Dezember von chinesischen Kollegen von der neuen Krankheit erfahren. Das wäre deutlich früher als die ersten öffentlichen Warnungen Ende Dezember.

          Der Amerikaner, der als Berater an dem Pandemie-Film „Contagion“ mitgewirkt hat, hatte sich zwischenzeitlich selbst mit dem Virus infiziert. Im März war er an einer Studie beteiligt, die die These verwarf, bei Sars-CoV-2 könne es sich um ein von Menschen erzeugtes Virus, etwa eine Biowaffe, handeln.

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