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„Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

Eine kleine gewalttätige Gruppe lässt die Protestmärsche in Barcelona eskalieren. Bild: EPA

Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.

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          Die Proteste gegen das Urteil gegen zwölf Separatisten haben am Freitag Barcelona und Teile Kataloniens weitgehend lahmgelegt. Nach Angaben der Polizei demonstrierten mehr als eine halbe Million Menschen in Barcelona. Am Rand der Kundgebung kam es zu ersten gewaltsamen Zusammenstößen. In der Region war zu einem Generalstreik aufgerufen, während viele tausend Teilnehmer fünf „Märsche für die Freiheit“ in die Stadtmitte strömten, wo sie sich an der Kreuzung des Gràcia-und des Diagonal-Boulevards zu einer der größten Protestkundgebungen seit dem Herbst 2017 versammelten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Zentrum der größten Stadt Kataloniens und ihre wichtigsten Zufahrten waren seit dem Morgen immer wieder blockiert. Auch in anderen Städten wurde demonstriert. In Girona zählte die Polizei mittags mehr als 60.000 Menschen. In der Nacht zum Freitag hatte es in Katalonien zuvor bei Ausschreitungen mehr als 40 Verletzte und 16 Festnahmen gegeben. Die Feuerwehr musste fast hundert Mal ausrücken, um brennende Barrikaden zu löschen. Am Freitag schlossen die Polizeibehörden die Internet-Plattform „Tsunami Democràtic“, die von radikalen Aktivisten genutzt wurde, um sich zu koordinieren.

          Größte Supermarktkette schließt ihre Läden

          Barcelona befand sich am Freitag im Ausnahmezustand. Die Basilika der „Sagrada familia“ wurde geschlossen, nachdem Demonstranten die Zugänge blockiert hatten. Die meisten Kulturveranstaltungen sowie dutzende Flüge wurden abgesagt.

          Ein großes Kreuzfahrtschiff verzichtete auf einen Stopp in Katalonien. Der für den 26. Oktober in Barcelona geplante „Clásico“ zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid wurde wegen der angespannten Lage auf den 18. Dezember verschoben. Zuvor war eine Verlegung des Fußballspiels nach Madrid erwogen worden. In Martorell ruhte im Seat-Autowerk der Betrieb, die größte Supermarktkette Kataloniens schloss ihre Läden.

          Die Ankündigung des katalanischen Regionalpräsidenten Quim Torra, noch vor dem Jahr 2022 ein weiteres Referendum über die katalanische Unabhängigkeit abzuhalten, stieß in Katalonien indes auf kein größeres Echo. Wegen der Organisation der von der spanischen Justiz für illegal erklärten Volksabstimmung am 1. Oktober 2017 waren am Montag in Madrid zwölf Separatisten verurteilt. Selbst bei den Parteien des separatistischen Lagers fand Torras Plan kaum Unterstützung. Das Vertrauen unter den bisherigen Regierungspartnern in Barcelona ist schon seit längerer Zeit zerrüttet. Die ERC des zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilten ERC-Vorsitzenden Oriol Junqueras forderte „so bald wie möglich“ vorgezogene Regionalwahlen.

          In Brüssel ließen die Justizbehörden am Freitag den früheren Regionalpräsidenten Carles Puigdemont ohne eine Kaution auf freiem Fuß. Der Oberste Gerichtshof in Madrid hatte zuvor einen neuen Auslieferungsantrag gestellt und darin betont, dass Puigdemont aus spanischer Sicht keine Immunität genieße, obwohl er im Mai ins Europäische Parlament gewählt worden war.

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