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Katalanischer Teil Frankreichs : Die Brüder im Süden haben es besser

Vor dem spanischen Konsulat in Perpignan kam es im Vorfeld des Referendums zu Protesten. Bild: AFP

Nicht nur in Spanien gibt es Katalanen. Auch in Frankreich leben sie. Wird der Kampf für die Unabhängigkeit auf das Nachbarland übergreifen?

          Die Welt blickt auf Katalonien, dessen Regionalregierung mit aller Macht versucht, sich von Spanien loszusagen. Dabei lohnt es sich, auch nach Frankreich zu schauen. Denn hinter der spanisch-französischen Grenze leben ebenfalls Katalanen, und die stehen ihren Brüdern im Süden bei.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Am vergangenen Sonntag halfen sie ihnen, das Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten. Nicht nur versteckten sie Wahlurnen in ihrem Land und verhinderten damit, dass die spanische Polizei sie einkassieren konnte, sie druckten auch Millionen Stimmzettel. Ein Video der Bewegung „Ja zu einem Land namens Katalonien“ zeigt die Aktion: Männer stapeln Stimmzettel in Kartons, laden sie auf Europaletten und verfrachten sie in Kofferräume. Im Dämmerlicht fahren sie über die Grenze. Auf einem Handy leuchtet eine Nachricht auf: „Alles sauber, du kannst passieren.“ Die Bilder sind unterlegt mit katalanischen Songs.

          Politiker und Bürger solidarisieren sich mit Südkatalonien

          Der Chef der Bewegung „Ja zu einem Land namens Katalonien“, Jordi Vera, sagt, man habe mindestens sieben Millionen Stimmzettel gedruckt. Zwei Millionen habe die spanische Polizei an der Grenze beschlagnahmt. Die Aktion soll 10000 Euro gekostet haben. Wer dabei gewesen ist, will Vera zwar nicht verraten, aber er macht keinen Hehl daraus, dass man eng mit den spanischen Katalanen zusammengearbeitet hat.

          Der 64 Jahre alte Politiker gehört zu den wichtigsten Vertretern der Katalanen in Frankreich und hat sich schon davor für das Anliegen der Regionalregierung in Barcelona stark gemacht. Als die spanische Polizei Ende September mehrere Mitarbeiter von Präsident Carles Puigdemont festnahm, rief Vera zum Protest auf. Rund dreihundert Demonstranten versammelten sich vor dem spanischen Konsulat in Perpignan, der größten Stadt in Nordkatalonien. Sie schwenkten katalanische Fahnen und entrollten eine Banderole mit den Worten: „Weder Frankreich noch Spanien, sondern ein Land Katalonien, frei und solidarisch.“

          Veras Leute sind nicht die einzigen, die sich mit den Katalanen im Süden solidarisieren. So kritisierten Hunderte Bürgermeister Nordkataloniens in einem offenen Brief die Polizeirazzien im Vorfeld des Referendums. „Wir können den Zwangsakten in Katalonien nicht teilnahmslos zusehen. Sie erscheinen unverhältnismäßig und lassen einen notwendigen Dialog und unvermeidlichen Kompromiss in die Ferne rücken.“ Und der Stadtrat von Pézilla la Rivière posierte vor der Abstimmung neben einer Wahlurne, auf der geschrieben stand: „Die Urnen beißen nicht.“

          Französische Katalanen wollen mehr Selbstverwaltung

          Muss man damit rechnen, dass der Kampf für die Unabhängigkeit auf die katalanische Region in Frankreich übergreift? Dass sie gar einen Zusammenschluss mit dem Süden anstrebt? Unwahrscheinlich. Zum einen beteuern die Katalanen in Frankreich selbst, dass sie keinen eigenen Staat wollen. Jordi Vera zum Beispiel sagt: „Ich bin ein Bürger Frankreichs mit katalanischer Nationalität.“ Und der Name seiner Bewegung, „Ja zu einem Land namens Katalonien“?

          Dahinter stehe nur die Forderung, dass der französische Teil Kataloniens eine autonome Region mit mehr Selbstverwaltung werde, wie etwa Korsika. Dieses Ziel verfolgt auch Brice Lafontaine, Stadtrat von Perpignan und Mitglied der Partei „Unitat Catalana“. Von mehr Autonomie würden nicht nur die Katalanen profitieren, sagt Lafontaine, sondern auch alle Franzosen, die in der Region lebten.

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