https://www.faz.net/-gpf-8nl6h

Botschaft an den Nachfolger : Obama: Trump muss Amerikas Führungsrolle wahren

  • Aktualisiert am

Klare Worte an den designierten Nachfolger: Barack Obama fürchtet einen Kurswechsel in der amerikanischen Politik Bild: AFP

Klare Worte des scheidenden amerikanischen Präsidenten an seinen Nachfolger: Trump dürfe die Führungsrolle Amerikas nicht unterschätzen und seine Stellung in der Welt neu ausrichten, warnt Obama. Mit Kritik will er sich auch nach seiner Amtszeit nicht zurückhalten.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat seinen designierten Nachfolger Donald Trump vor einer Neuausrichtung der Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt gewarnt. Die gegenwärtige liberale Weltordnung beruhe auf der Führungsrolle Washingtons und sei gefährdet, wenn sich die Vereinigten Staaten nicht auf die richtige Seite stellten, sagte Obama am Sonntag (Ortszeit) im peruanischen Lima.

          Er behielt es sich zudem vor, die Politik seines Nachfolgers zu kritisieren. Er werde sich nicht mit Kritik zurückhalten, wenn er Grundwerte der Vereinigten Staaten durch die Politik der künftigen amerikanische Regierung gefährdet sehe, sagte Obama. Wenn unter Trumps Führung etwas geschehe, „das die Kernfrage unserer Werte und Ideale berührt, und wenn ich glaube, dass es nötig oder hilfreich ist, wenn ich diese Ideale verteidige, dann werde ich das zu gegebener Zeit bedenken“, sagte Obama.

          Obama mahnte seinen Nachfolger zudem, die unverzichtbare Bedeutung der Rolle der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik nicht zu unterschätzen. „Mein wichtigster Rat an den neuen Präsidenten ist, dass die Vereinigten Staaten wirklich eine unerlässliche Nation in unserer Weltordnung sind“, sagte Obama. Amerika habe die Möglichkeit, „internationale Normen und Regeln" aufrecht zu erhalten und durchzusetzen, sagte er. „Das ist es, was die moderne Welt ausmacht“, fuhr Obama fort. Sollten die Vereinigten Staaten diese Rolle nicht wahrnehmen, „dann gibt es niemanden, der diese Lücke füllt, wirklich niemanden“.

          „Der europäische Kontinent lag in Trümmern“

          Obama warnte vor jeglicher Versuchung, die derzeitige Weltordnung mit der starken Rolle der Vereinigten Staaten in Frage zu stellen. „Nehmen wir als Beispiel mal Europa, bevor diese Weltordnung galt“, sagte er. „In 30 Jahren hatten wir dort zwei Weltkriege. Im zweiten wurden 60 Millionen Menschen getötet. Nicht eine halbe Million, nicht eine Million – sondern 60 Millionen. Der Kontinent lag in Trümmern.“

          „Mein wichtigster Rat an den neuen Präsidenten ist, dass die Vereinigten Staaten wirklich eine unerlässliche Nation in unserer Weltordnung sind“: Obamas Mahnung an Trump

          Natürlich sei es nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten, sich um jedes Problem weltweit zu kümmern, sagte Obama. „Aber wenn der amerikanische Präsident und die Vereinigten Staaten nicht auf der Seite dessen stehen, was richtig ist, und wenn wir dafür nicht einstehen und nicht kämpfen, auch wenn wir nicht überall hundert Prozent erreichen können, dann kommt es zum Kollaps.“

          Obama fordert Spielraum für Trump

          Obama rief zugleich abermals dazu auf, Trumps Amtsübernahme wohlwollend zu begleiten und ihm Spielraum zu geben, seine politischen Ziele zu formulieren und sein Regierungsteam zu bilden. „Ich will dem Amt Respekt zollen und dem designierten Präsidenten die Gelegenheit geben, seine Plattform und seine Argumente vorzubringen“, sagte Obama.

          Trump hatte zuvor erste wichtige Personalentscheidungen bekannt gegeben und dabei zum Entsetzen vieler liberaler Amerikaner vor allem Rechtsaußen-Vertreter berücksichtigt. Am Freitag benannte Trump den erzkonservativen Senator Jeff Sessions als künftigen Justizminister. Als Nationalen Sicherheitsberater wählte er Ex-General Michael Flynn aus. Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA soll mit dem Abgeordneten Mike Pompeo ein weiterer Hardliner werden. Zuvor hatte der rechtspopulistische Milliardär bereits den umstrittenen früheren Leiter der erzkonservativen Website „Breitbart News“, Stephen Bannon, zu seinem Chefstrategen gemacht.

          Weitere Themen

          Eiskalte Interessen

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.