https://www.faz.net/-gpf-91t91

Protest in Bangladesch : 15.000 Muslime fordern Krieg gegen Burma

  • Aktualisiert am

Islamisten in Dhaka verbrennen eine burmesische Flagge mit dem Konterfei von Aung San Suu Kyi. Bild: AP

Bereits 400.000 Rohingya-Muslime sind vor der Gewalt aus Burma geflohen. Nun fordern radikale Glaubensbrüder aus Bangladesch ihre Regierung zum Krieg gegen das Nachbarland auf.

          2 Min.

          Angesichts der Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya in Burma haben Tausende Demonstranten im benachbarten Bangladesch die Regierung zum „Krieg“ gegen Burma aufgefordert. Nach Polizeiangaben demonstrierten am Freitag mindestens 15.000 Anhänger zumeist islamistischer Gruppen in der Hauptstadt Dhaka. Sie warfen der Regierung in Burma „Völkermord“ an den Rohingya vor.

          „Wir rufen die Regierung von Bangladesch auf, dieses Problem durch Krieg zu lösen“, sagte ein Sprecher der islamistischen Hefazat-e-Islam bei der Demonstration in Dhaka: „Die Zeit ist reif.“ Die Regierung von Burma verübe „Völkermord“ an den Rohingya, das Volk von Bangladesch müsse den Rohingya zur Seite stehen.

          Der seit Jahren andauernde Konflikt in Burmas Bundesstaat Rakhine war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und Dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Fast 400.000 von schätzungsweise 1,1 Millionen Rohingya flohen seither ins mehrheitlich muslimische Nachbarland Bangladesch.

          Die Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Burma betrachten sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele Rohingya schon seit Generationen in Burma, das sich selbst als Myanmar bezeichnet, leben. Ein Gesetz aus dem Jahre 1982 erklärte sie offiziell für staatenlos.

          UN spricht von „ethnischen Säuberungen“

          Der republikanische Mehrheitsführer im amerikanischen Senat, Mitch McConnell, nahm Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi gegen internationale Kritik in Schutz. Sie habe in einem Telefonat betont, dass sie sich für humanitäre Hilfe für die Rohingya einsetze, sagte er. Suu Kyi steht wegen ihres Schweigens zum Vorgehen der Armee gegen die Rohingya international in der Kritik. Der UN-Sicherheitsrat wirft den Streitkräften „übermäßige Gewalt“ gegen die Minderheit im Bundesstaat Rakhine vor, Menschenrechtskommissar Zeid Ra’ad Al Hussein und UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprechen von „ethnischen Säuberungen“.

          Senator McConnell warnte als langjähriger Vertrauter Suu Kyis vor „unbegründeter Kritik“: Sie arbeite darauf hin, dass insbesondere das Internationale Rote Kreuz im Bundesstaat Rakhine tätig werden könne. Zudem habe Suu Kyi keine Kontrolle über das mächtige Militär, betonte er. McConnell nannte die Politikerin „die größte Hoffnung für demokratische Reformen“ in Burma. Suu Kyi war wegen ihres Einsatzes für Demokratie jahrelang inhaftiert und unter Hausarrest, bevor sich die Militärjunta für demokratische Reformen öffnete. Seit Ende 2015 leitet sie de facto die Regierungsgeschäfte. Die Verfassung verbietet ihr, das Präsidentenamt zu übernehmen, da ihr verstorbener Ehemann Brite war – und ihre beiden Söhne ebenso eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen.

          In Bangladesch werden unterdessen zwei Fotojournalisten aus Burma festgehalten, die als Spione verdächtigt werden. Die beiden Fotografen waren für das deutsche Magazin „Geo“ in die Grenzregion zwischen Burma und Bangladesch gereist, um die Entwicklung vor Ort zu dokumentieren. Eine Kaution zur Freilassung wurde von den Behörden nach Angaben des Magazins abgelehnt.

          Weitere Themen

          Der Griff nach der Hand des Teufels

          Syriens Kurden und Assad : Der Griff nach der Hand des Teufels

          Bedrängt durch die türkische Offensive schließen die Kurden einen Pakt mit Assad. Dabei wissen sie, dass dem syrischen Regime nicht zu trauen ist. Der Konflikt wird noch unübersichtlicher und explosiver.

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.