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Ausgebranntes Zeltlager : Hunderte Migranten kampieren bei Schneefall in Bosnien im Freien

  • Aktualisiert am

Eine Person sucht in dem abgebrannten Aufnahmelager im bosnischen Lipa bei Bihac nach seinen Habseligkeiten. Bild: dpa

Temperaturen unter Null, karge Nahrungsmittel: Hunderte Migranten frieren in Bosnien bei Schneefall im Freien, während Anwohner gegen die Öffnung eines Lagers in Bihac protestieren. Den Behörden ist es nicht gelungen, die Menschen woanders unterzubringen.

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          In Bosnien-Hercegovina sind Hunderte Migranten bei heftigem Schneefall in einem heruntergekommenen und ausgebrannten Zeltlager gestrandet. Mit Decken und Schlafsäcken schützten sie sich am zweiten Weihnachtstag in Lipa im Nordwesten des Landes vor dem eisigen Wind. Das Bosnische Rote Kreuz versorgte die Gestrandeten mit Wasser und Lebensmitteln, von denen einige wegen der Coronavirus-Pandemie Visiere vor dem Gesicht trugen. Die Polizei versuchte, die Ordnung aufrecht zu erhalten.

          Den Behörden ist es nicht gelungen, die Menschen woanders unterzubringen. Anwohner haben mit Protesten auf Pläne reagiert, ein geschlossenes Lager im Zentrum von Bihac für die Migranten vorübergehend wieder zu öffnen. Etwa 1000 Menschen saßen ohne Heizung in der Kälte und bekamen nur karge Nahrungsmittelpakete von Hilfsgruppen.

          „Selbst Tiere leben besser als wir

          „Es ist Schnee gefallen, Temperaturen unter Null, keine Heizung nichts“, twitterte der der Chef der Internationalen Organisation für Migration in Bosnien, Peter Van der Auweraert, am Samstag und sprach von einer humanitären Katastrophe. „So sollte niemand leben müssen.“ Jetzt sei politische Tapferkeit gefragt. Es müsse etwas geschehen. „Selbst Tiere leben besser als wir“, sagte Kasim aus Pakistan, der nicht seinen vollen Namen nennen wollte. „Wenn sie uns nicht helfen, werden wir sterben. Deshalb bitte helft uns.“

          Die Migranten, darunter auch Frauen, legten den Boden des einzigen Zelts in Lipa mit Karton aus und versuchten, sich mit Hilfe von Behelfsbarrieren etwas Privatsphäre zu schaffen. Viele trugen trotz des Winterwetters nur leichtes Schuhwerk. Einige hielten ihre durchnässten Füße vor kleine Feuer im Freien, um sie zu trocknen.

          Internationale Organisationen und Helfer hatten die Zustände in Lipa bei Bihac schon kritisiert, bevor dort in dieser Woche ein Feuer ausgebrochen war. Die EU hat die Regierungen der Landesteile Bosnien-Hercegovinas gedrängt, ihre Streitigkeiten hintanzustellen, damit nicht Tausende Menschen bei Winterwetter ohne Obdach sind.

          Bosnien ist zum Nadelöhr für Tausende Migranten geworden, die nach Westeuropa weiterziehen und zunächst einmal das EU-Land Kroatien erreichen wollen. Während die meisten in der Krajina im Nordwesten festsitzen, weigern sich andere Landesteile, überhaupt Migranten aufzunehmen. Viele Migranten klagen, sie seien auf oft illegalen Routen über die Grenze in den Bergen Opfer von Gewalt geworden und die kroatische Polizei habe sie zurückgetrieben.

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