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Serbiens Präsident Vučić : „Schreckliche Lügen, um meine Familie zu kriminalisieren“

Die Rede kommt danach auf Oliver Ivanovic, einen im vergangenen Jahr ermordeten politischen Führer der Kosovo-Serben, der Vucic gegenüber kritisch eingestellt war und von Medien wie dem „Informer“ oder „Pink TV“ deshalb mit einer Hasskampagne überzogen wurde. In einem seiner letzten Interviews vor seinem Tod hatte Ivanovic gesagt, die Serben im Norden des Kosovos fürchteten sich inzwischen nicht mehr vor Albanern, sondern vor kriminellen Serben, die in Jeeps ohne Nummernschilder durch Mitrovica herumführen und Angst verbreiteten. Auf die Frage, ob Serbien die Rechtlosigkeit im Norden beeinflussen könne oder ob es dort seiner Ansicht nach vielleicht gar keine Rechtlosigkeit gebe, antwortet Vučić: „Ich kann nicht sagen, dass es im Norden, im Süden oder sonstwo im Kosovo keine Rechtlosigkeit gäbe. Aber ich weiß nicht, wie Sie zu dem Schluss kommen, wer Oliver Ivanovic getötet hat.“ Auf die Erwiderung des Interviewers, dass er keineswegs gesagt oder auch nur insinuiert habe, Vučić sei an dem Mord beteiligt gewesen, antwortet dieser knapp: „Ich bin es nicht, und das wissen alle.“

Offensichtlich ist allerdings, dass jene Medien, die voll hinter Vučić stehen, in den Monaten vor der Ermordung Ivanovics eine aggressive Kampagne gegen diesen geführt und ihn als „Verräter“ beschrieben haben. Diesen Hinweis übergeht Vučić mit der Aussage, in Wirklichkeit sei er es doch, der fast täglich in den Medien als Verräter bezeichnet werde, „vom Fernsehsender ,N1' oder der Zeitung ,Danas´ zum Beispiel“. Diese Sender sind Vučić gegenüber tatsächlich kritisch eingestellt. Man könnte auch sagen: Sie nehmen ihre journalistischen Kernaufgaben wahr, statt die Staatsführung nur zu bejubeln. Dass Vučić von den Journalisten dieser Häuser als „Verräter“ bezeichnet worden oder auch nur annähernd so primitiv beschimpft worden wäre wie dessen Gegner in den Pro-Regierungsmedien, konnten Recherchen jedoch nicht erhärten.

„Als wenn im Süden nur Heilige lebten“

Auf die Frage, ob er keine Verbindung zwischen den täglichen Angriffen auf Oppositionspolitiker in ihm wohlgesonnenen Medien und bestimmten gewaltsamen Vorfällen sehe, antwortet Vučić: „Gar nicht. Wenn Sie irgendwelche Beweise haben, lassen Sie uns das bitte wissen. In Wirklichkeit bin ich zehnfach stärkeren Angriffen der Opposition ausgesetzt.“ Auch die Frage nach seinen Einflussmöglichkeiten im Norden des Kosovos, die unter anderem in Berlin inzwischen deutlich gestellt wird, gefällt dem Präsidenten nicht. „Warum beharren gewisse Leute darauf, dass es im Kosovo stets nur um den Norden gehe? Als wenn im Süden nur Heilige lebten, obwohl dort die Wiege der Mafia steht, dort die Rauschgifthändlerringe tätig sind. Aber es geht stets um den Norden. Warum? Weil das einzige Hindernis der Kosovo-Albaner auf dem Weg zu ihrer vollen Unabhängigkeit der Norden des Kosovos ist.“ Nur deswegen gebe es „diese Kampagne“ und den Versuch westlicher Einflussnahme: „Viele westliche Länder versuchen, im Norden jede einzelne Person zu kaufen. Dem einen tragen sie auf, eine Nichtregierungsorganisation gegen mich zu gründen, anderen wird Medienarbeit gegen mich finanziert. Weil die Menschen dort Geld brauchen, nehmen sie es an. Aber sie haben auch ein Gewissen, und deswegen gewinne ich die Wahlen. Die Menschen wählen so, wie sie es für richtig halten.“

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